„Neue Stie­fel wären toll“

Max lebt von der Hand in den Mund. Mit sei­ner klei­nen Rente kann er sich nur das Al­ler­nö­tigs­te leis­ten. Für warme Win­ter­schu­he reicht das Geld nicht. Wir wol­len hel­fen

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Wenn das Geld gerade einmal so für das Lebensnotwendigste reicht, kann jeder Tag zum Kampf werden – ums Überleben. Foto: Patrick Pleul/dpa

Von Stephanie Bucher


Waldmünchen. Einmal durch den Supermarkt gehen und alles in den Einkaufswagen räumen, worauf man Lust hat. Max B. hat das schon oft getan. Wenn auch nur in Gedanken. Denn die Realität sieht anders aus. Da muss der 77-Jährige jeden Cent zweimal umdrehen, damit er sich zumindest das Lebensnotwendigste leisten kann. „Es gibt Tage, da weiß ich nicht, wie’s weiter geht“, sagt er.
Jammern will Max trotzdem nicht. Und er will auch keine Almosen vom Staat. Er will sein Schicksal, so gut es geht, selbst meistern. Auch, wenn es am Monatsende oft eng wird. Nur rund 400 Euro bleiben dem Alleinstehenden nach Abzug von Miete, Versicherungen und Rundfunkgebühr übrig. „Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.“


Deshalb wollen wir ihn im Rahmen unserer verlagsweiten Weihnachtsaktion „Freude durch Helfen“ unterstützen. Wir haben uns umgehört, wo Hilfe am dringendsten benötigt wird. So kamen wir letztendlich auf Max. Er erklärte sich auch bereit, unter Wahrung der Anonymität seine Geschichte zu erzählen. Und die begann 1945 in der Nordoberpfalz. Dort wurde Max als Sohn einer moldawischen Flüchtlingsfamilie geboren. Der Vater war Spengler „und die waren damals gefragt“, erzählt er. So habe es seine Familie schließlich in den Raum Hannover verschlagen, wo Max aufwuchs.


Nach der Schule absolvierte er eine „Speditionslehre“, ehe er zum Wehrdienst eingezogen wurde. Danach zog Max von Niedersachsen nach Bayern. Dort arbeitete er im Einzelhandel im Sportsektor. Das habe ihm viel Spaß gemacht, erzählt er. Jedoch sei es irgendwann zum Zerwürfnis mit dem Chef gekommen. Max wurde gekündigt. Er brach seine Zelte in Franken ab, „ich wollte neu anfangen“, sagt er. Weil er gute Kontakte in den Altlandkreis Waldmünchen hatte, dort hatte er schon mehrmals seinen Urlaub verbracht, entschied er sich, hierher zu ziehen. Schnell fand er eine Wohnung, nur die Suche nach einem neuen Job war schwierig.


Max war damals kurz vor dem 60. Den Führerschein hat er aufgrund einer Krankheit vor gut 45 Jahren abgegeben. „Wer soll dich da nehmen?“ Alles, was blieb, war eine Mini-Stelle als Saisonarbeiter. „Besser als nichts.“


Heute ist Max 77 und lebt in einem kleinen Ortsteil rund zehn Kilometer von Waldmünchen entfernt. Die Fahrerlaubnis hätte er sich zwar rein theoretisch zurückholen können. Wobei das nichts bringen würde, denn ein Auto kann er sich ohnehin nicht leisten. Seine kleine Rente reicht gerade einmal fürs Lebensnotwendigste. „Große Sprünge kann ich nicht machen“, sagt er bescheiden. Dabei fehlt es ihn generell an allem. Zwar würden ihn Freunde und Bekannte – zum Beispiel beim Holzmachen – unterstützen, aber diese Hilfe will der 77-Jährige auch nicht überstrapazieren. „Ich bin ja schon dankbar, dass sie mir die Bretter bringen.“


Hilfsangebote – wie etwa zur Lebensmittelausgabe zu gehen –, lehnt er ab. „Es gibt mit Sicherheit Leute, denen es schlechter geht als mir.“ Und deshalb erledigt er auch all seine Einkäufe selbst – mit dem Rad. Nur im Winter lasse er sich manchmal dazu überreden, eine Mitfahrgelegenheit zum Supermarkt in Anspruch zu nehmen. „Weil’s mir unangenehm ist“, sagt er. Außerdem halte ihn das Radfahren fit. Sein Bike hat er übrigens schon seit vielen, vielen Jahren. Gegen eines mit Elektroantrieb wolle er es aber nicht eintauschen.


Viel mehr wünscht er sich etwas anderes: „Neue Winterstiefel wären toll“, sagt er bescheiden. Damit er sich diesen und vielleicht noch den einen oder anderen Wunsch erfüllen kann, wollen wir Max mit unserer Weihnachtsaktion zumindest etwas finanziell unter die Arme greifen und ihm eine kleide Freude zu machen. Denn darum geht es doch schließlich an Weihnachten...