„Ich bete jeden Abend“

Die 38-jäh­ri­ge Ines F. sorgt al­lein für ihre bei­den Töch­ter – der Vater, für den die Al­lein­er­zie­hen­de von Spa­ni­en nach Deutsch­land zog, un­ter­stützt die Fa­mi­lie kaum

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Für ihren Mann hat Ines F. gemeinsam mit ihren Kindern ihre Heimat verlassen. Kurze Zeit später verlässt er die Familie und lässt die 38-Jährige mit zwei kleinen Töchtern zurück. Symbolfoto: Sebastian Kahnert/dpa

Von Franziska Hofmann

Ines F. (Name von der Redaktion geändert) war 20 Jahre mit ihrem Mann zusammen, bevor er sie für eine andere Frau verließ. Die Familie war erst vor wenigen Jahren von Spanien nach Deutschland gekommen – F. war ihrem Mann 2016 mit den beiden Kindern gefolgt. Dann kam der Schock: Der Ehemann verließ die Familie kurz darauf, ließ Ines F., die in Spanien alles zurückgelassen hatte, mit zwei kleinen Kindern in einer Wohnung zurück, die sich die 38-Jährige alleine kaum leisten konnte. Die neue Frau ihres Mannes, das erfuhr F. kurz darauf, war bereits von ihm schwanger. „Ich konnte nicht schlafen, konnte nicht essen in dieser Zeit“, erinnert sich die alleinerziehende Mutter heute. „Ich habe immer übers Geld nachgedacht.“

Ex-Mann weigert sich, Unterhalt zu zahlen
Denn Ines F. Ex-Mann weigerte sich nach der Trennung, Unterhalt für seine beiden Kinder aus erster Ehe zu zahlen. F., die zu dieser Zeit gerade ihren Deutschkurs beendet und als Kinderpflegerin in einer Kinderkrippe in Landshut zu arbeiten begonnen hatte, blieb auf sämtlichen Kosten sitzen. „Früher hat man sich alles geteilt – Miete, Strom, Wasser – plötzlich musste ich für diesen riesigen Berg alleine aufkommen.“ In Spanien hatte Ines F. als Lehrerin gearbeitet, ihr Diplom reicht in Deutschland aber nur zur Kinderpflegerin. „Zum Glück hatte ich meine Arbeit, wäre ich nur zuhause gewesen, hätte ich es nicht ausgehalten.“

Auch für die beiden Töchter (sieben und elf Jahre alt) war die Zeit nach der Trennung nicht leicht. „Sie haben nicht verstanden, warum Papa plötzlich weg ist“, sagt die 38-Jährige. Kurz nach der Trennung wollte etwa die Elfjährige nicht mehr zur Schule gehen. „Sie hat sich ständig an mich geklammert, weil sie Angst hatte, dass ich auch weggehe, wenn sie nicht bei mir bleibt.“ Besonders schwierig sei es aber geworden, als dann auch noch das neue Kind ihres Vaters zur Welt kam: Die beiden Mädchen seien eifersüchtig auf das neue Stiefgeschwisterchen gewesen. Wenn die Schülerinnen jedes zweite Wochenende zu Besuch bei ihrem Vater sind, berichten sie oft von Streitigkeiten zwischen ihrem Vater und seiner neuen Frau. „Aber sie vermissen ihn.“

Um nicht jeden Monat zu bangen, ob das Geld auch diesmal reicht, macht Ines F. seit Anfang November eine berufsbegleitende Weiterbildung zur Erzieherin. Mit dieser Qualifikation würde die 38-Jährige künftig mehr verdienen als derzeit als Kinderpflegerin. Denn auch wenn ein Gericht schlussendlich anordnete, dass ihr Expartner der kleinen Familie Unterhalt zahlen muss – wenn auch nur die geringst-mögliche Summe – reicht das Geld, das F. am Ende des Monats übrig hat, gerade einmal für Kleidung, Lebensmittel und Schulsachen ihrer Kinder.

Größere Anschaffungen wie eine Waschmaschine oder Autoreparatur sind nicht drin – geschweige denn Urlaube oder andere Dinge, die die Mutter auch einmal nur für sich gern hätte. „Ich bete jeden Abend, dass das Geld bis zum Ende des Monats reicht. Kaputt gehen darf nichts“, sagt Ines F. Wenn die Kinder in der Schule oder bei Klassenkameraden zu Hause Kleidung oder andere Sachen gesehen haben, die sie gerne hätten, muss die 38-Jährige erklären, warum das nicht geht. „Meine Töchter sind mir sehr ähnlich, sie merken immer, wenn es mir nicht gut geht.“

Ines F. ist dringend angewiesen auf ein Auto
Das Auto, das Ines F. gerade fährt, ist alt und – schon wieder kaputt. Die 38-Jährige spart daher bereits seit Monaten auf einen neuen Gebrauchtwagen. Denn die kleine Familie ist dringend angewiesen auf ein Auto – um die Töchter zur Schule und anschließend selbst zur Arbeit in der Kinderkrippe zu fahren.
Dass Ines F. in Deutschland geblieben ist, nachdem ihr Mann sie verlassen hat, hat die Alleinerziehende ausschließlich für ihre Kinder getan: „Die Mädchen hatten sich eingelebt, ich wollte sie nicht aus ihrer Umgebung rausreißen, nachdem wir ohnehin schon einmal umgezogen sind.“ Doch Ines F. ist – abgesehen von ihren Kindern – allein nach Deutschland gekommen. Ihre Familie, nach der sich die 38-Jährige während dieser schweren Zeit häufig gesehnt hat, lebt nach wie vor in Spanien. Heute hat F. Freundinnen in Landshut, an die sie sich wenden kann, wenn ihr wieder einmal alles zu viel wird. „Ich bin motiviert und habe große Hoffnung, was die Weiterbildung angeht. Kurz nach der Trennung war das für mich noch undenkbar.“

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