Die Hel­fer brau­chen Hilfe

Weil Grund­nah­rungs­mit­tel knapp sind, sind die Mal­te­ser auf Spen­den an­ge­wie­sen

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Die Helfer sind ein eingespieltes Team. Sie bereiten die gespendeten Lebensmittel für die Ausgabe vor

Von Stephanie Bucher

Waldmünchen. (bu) Ein Leben lang gearbeitet und trotzdem reicht das Geld in der Rente hinten und vorne nicht. Plötzlich arbeitslos geworden oder schwer erkrankt. – Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Auch im Altlandkreis Waldmünchen müssen viele Bürger den Euro zweimal umdrehen. Manchen fehlt es dennoch am Lebensnotwendigen. Hilfe bekommen sie beim Malteser Hilfsdienst in Waldmünchen.

Seit 2018 geben dort ehrenamtliche Mitarbeiter „Gestriges Brot und mehr“ aus. Als Außenstelle der Lebensmittelausgabe Furth im Wald bedienen sie zurzeit 34 Haushalte mit 50 Erwachsenen und 23 Kindern. Diese werden am Ausgabetag mit Backwaren, Nudeln, Reis, Kartoffeln, aber auch Fleisch- und Wurstwaren, Milchprodukten sowie Obst und Gemüse versorgt.
Doch gerade jetzt, da Corona die finanzielle Situation vieler Bedürftiger noch verschärft, gehen den Helfern die Grundnahrungsmittel aus. Um diese dennoch anbieten zu können, müssen sie zugekauft werden. Und dafür sind die Malteser auf Spenden angewiesen. „Anders könnten wir das nicht finanzieren“, sagt Dienstleiterin Edith Lindner, sie seit der Gründung in der Hilfseinrichtung tätig ist.

Der Großteil der Kunden sind Deutsche, drei haben Migrationshintergrund. Sie alle haben ihren Wohnsitz im Altlandkreis Waldmünchen. Aus dem Raum Rötz fährt ein eigener Zubringerbus zur Lebensmittelausgabe nach Waldmünchen, in Ausnahmefällen – etwa bei Krankheit – werden die Lebensmittel auch geliefert.

Wenngleich die Hilfe sehr diskret abläuft, durch Einteilung in Gruppen werden lange Wartezeiten vermieden, trauten sich dennoch viele nicht, vom Angebot Gebrauch zu machen, erzählt Lindner. Sie hat die Erfahrung gemacht: „Die Leute trauen sich oft nicht zu kommen, weil sie zu stolz sind.“ Dabei brauche sich niemand zu schämen, wenn er das Hilfsangebot in Anspruch nimmt.

Dass die Lebensmittelausgabe reibungslos über die Bühne geht, dafür sorgt eine Truppe von Ehrenamtlichen. „Ohne ihr Engagement ginge das hier nicht“, sagt Lindner. Insgesamt engagieren sich dort rund 20 Frauen und Männer – freiwillig und unentgeltlich – als Fahrer, Sammler, Sortierer, Ausgabekräfte, Sozialberater und Verwaltungsspezialisten. Sie stehen jeden Mittwoch, je nach Einsatzart, vom frühen Morgen bis zum Nachmittag bereit, um die Bezugsberechtigten mit Lebensmittelpaketen zu versorgen. Längst sind die Helfer mit den roten Jacken ein eingespieltes Team. Bereits am Vormittag werden die gespendeten Lebensmittel aus den Geschäften der Region abgeholt. Ein Teil der Waren kommt außerdem von der Ausgabestelle in Furth im Wald. „Wir haben hier einfach keinen Platz für Lagerhaltung“, erklärt Lindner. Vor Ort werden dann die Lebensmittelboxen gepackt. Wobei die Ehrenamtlichen auch auf die Vorlieben „ihrer Kunden“ Rücksicht nehmen. „Wer Vegetarier ist, bekommt natürlich kein Fleisch“, erklärt Lindner.

Ein Großteil der Bezugsberechtigten seien alleinstehende Rentner. Stichwort Altersarmut. Es kann aber auch junge Familien treffen. Etwa wenn der Ehepartner arbeitslos wird oder gar stirbt oder Kredite abbezahlt werden müssen. Sie alle können, sofern sie einen Berechtigungsschein beantragt haben, zur Lebensmittelausgabe kommen. „Und schämen braucht sich dafür niemand“, unterstreicht Edith Lindner. Dabei sind die Initiatoren dieses neuen Angebots, Diakon Alfons Eiber und Seniorenbeiratsvorsitzender Arnold Lindner, sowie das generationenübergreifende Helferteam zuversichtlich, dass sich noch mehr Bedürftige überwinden.

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Die roten Engel: Ein Teil der Ehrenamtlichen, die sich in Waldmünchen um die Ausgabe der Lebensmittel kümmern Fotos: Stephanie Bucher