Sie liebt den Fahrt­wind

Lisa-Marie Lück hat ihre glück­lichs­ten Mo­men­te beim Rad­fah­ren

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Lisa-Marie ist seit ihrer Geburt schwerstbehindert. Ramona Lück kümmert sich alleinerziehend um das 14-jährige Mädchen. Foto: Sebastian Schmid

Von Sebastian Schmid

Landau. Beim Fahrradfahren ist Lisa-Marie glücklich. „Sie liebt es, wenn sie den Fahrtwind spürt. Das zaubert ihr jedes Mal ein Lächeln aufs Gesicht“, sagt ihre Mutter Ramona Lück. Momentan zieht die 44-Jährige ihre Tochter auf einem Fahrradanhänger hinter sich her. Doch das birgt Verletzungsrisiken für das behinderte Mädchen aus Haidlfing. Für Abhilfe könnte ein spezielles Fahrrad mit einer Rollstuhlrampe sorgen.

Seit ihrer Geburt ist Lisa-Marie schwerstbehindert: Sie leidet unter einem Gen-Defekt, hat Spastiken und eine extreme Sehschwäche. Gegen ihre Krampfanfälle nimmt sie Medikamente, die jedoch auf Dauer die Leber schädigen. Die 14-Jährige wiegt etwa 20 Kilogramm und muss hochkalorische Nahrung zu sich nehmen, um nicht noch mehr abzumagern.

Weil Lisa-Marie nicht sprechen kann, läuft die Kommunikation vor allem über Gestik und Mimik. So erkennt Ramona Lück, wie es ihrer Tochter geht, was sie braucht, wie ihre Stimmung ist. „Wenn sie in ihrem Fahrrad-Anhänger sitzt, merkt man ihr an, dass sie sich gut fühlt. Das sind ihre Glücksmomente.“

Ein Rad mit Rampe wäre sicherer

So oft es die Zeit zulässt, unternimmt Ramona Lück mit ihrer Tochter kleine Touren und zieht sie im Anhänger hinter sich her. Dabei riskiert sie jedoch, dass sich die 14-Jährige am Nacken verletzt: Weil Lisa-Marie keine Körperspannung hat, fällt sie aus der Sitzschale heraus und kann sich nicht wieder selbst in Position bringen. Ramona Lück, die vorne auf dem Fahrrad sitzt, sieht nicht, was mit ihrer Tochter passiert. Sicherer wäre das Radfahren mit einem speziellen Fahrrad, an dem vorne eine Rampe angebracht ist. Darauf lässt sich der Rollstuhl befestigen, in dem Lisa-Marie fixiert ist.

Auch wenn sie weiß, wie wichtig die Radtouren für ihre Tochter sind, Ramona Lück hat Angst, dass sich Lisa-Marie verletzt, wenn sie hinter ihr sitzt. Ein passendes Fahrrad, mit dem sich die Verletzungsgefahr minimieren lässt, kostet etwa 10 000 Euro – eine Summe, die Ramona Lück nicht aufbringen kann.

Die 44-Jährige sorgt alleinerziehend für Lisa-Marie. Sie arbeitet halbtags als Lageristin bei Dräxlmeier. „Viele fragen mich, warum ich überhaupt arbeiten gehe. ‚Du kriegst doch Geld vom Staat‘ sagen sie. Aber das stimmt nicht. Man bekommt nur Pflegegeld von der Krankenkasse“, erklärt Ramona Lück. Dabei ist der Bedarf groß: Lisa-Marie braucht spezielle Kleidung und ein behindertengerechtes Bett, aus dem sie nicht herausfallen kann. Der Vater zahlt zwar Unterhalt, kümmert sich aber sonst kaum um seine Tochter. Dabei ist Lisa-Marie permanent auf Hilfe angewiesen und muss ständig betreut werden. Die Schule besucht sie im Regensburger Blindeninstitut. Regelmäßig muss sie zur Krankengymnastik nach Deggendorf, zum Augenarzt nach Straubing, zum Zahnarzt nach Regensburg. „Wir sind viel unterwegs, damit Lisa-Marie alle Behandlungen bekommt, die sie braucht“, sagt ihre Mutter.