Eine Fa­mi­lie meis­tert ihr Schick­sal

Sohn be­hin­dert, Vater Dia­ly­se­pa­ti­ent – und ein Schul­den­berg

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Familie Popa hat sich trotz ihres Schicksals ein sonniges Gemüt bewahrt. Foto: Isabella Binder

Von Isabella Binder

Pfatter. Im März 2014 kam die Familie Popa – Mama Gabriela, Papa Manuel und die Zwillinge Denis und Kevin – aus dem rumänischen Buzau in das oberpfälzische Pfatter, wo bereits ein Bruder und eine Schwester Fuß gefasst hatten. Der Hauptgrund für die Übersiedlung war die bessere Gesundheitsversorgung des vermutlich durch Sauerstoffmangel bei der Geburt behinderten Sohnes Kevin.

Kevin ist Autist, kann nicht sprechen und ist aufgrund seines unkontrollierbaren und starken Bewegungsdrangs kaum zu bändigen. Anfangs sah für die kleine Familie alles gut aus, der Vater, der heute 38-jährige Manuel, bekam gleich eine Anstellung bei einer örtlichen Malerfirma. Doch eineinhalb Monate später ging es ihm gesundheitlich plötzlich sehr schlecht, der Hausarzt überwies ihn in die Klinik. Diagnose: Schrumpfnieren. Seitdem muss Manuel Popa dreimal die Woche an die Dialyse, bräuchte eine Spenderniere. Der Familienvater ist arbeitsunfähig. Aufgrund der kurzen Arbeitszeit in Deutschland bekommt er weder Krankengeld noch bezieht er Rente. Er erhält derzeit nur das Pflegegeld für Kevin, ansonsten ist Mutter Gabriela Alleinverdienerin.

Die 35-Jährige hat sich nach einem Deutschkurs in einer sechsmonatigen Schulung zur Betreuungs- und Pflegeassistentin ausbilden lassen und arbeitet seit 1. Februar 2017 im Caritasaltenheim in Sünching im Schichtbetrieb. Dankbar ist sie für das Entgegenkommen ihres Arbeitgebers, am Montag, Mittwoch und Freitag keinen Spätdienst übernehmen zu müssen. Denn an diesen Tagen wird um 19 Uhr ihr Mann zur nächtlichen Dialyse im Krankenhaus St. Josef abgeholt, damit er tagsüber für die Betreuung der Kinder zuhause ist. Denis geht in die Schule nach Wörth, Kevin besucht die Bischof-Wittman-Schule in Regensburg mit dem Förderschwerpunkt für geistige Entwicklung.

Zur Miete wohnen ist kaum möglich

Familie Popa hatte sich in Pfatter ein kleines Häuschen mit Garten gekauft, denn mit Kevin ist das Wohnen zur Miete sehr schwierig gewesen. Er schreit oft unkontrolliert laut und schrill, was natürlich das Miteinander in dem Mietshaus, in dem die Familie zuvor wohnte, belastete. Auch gab es dort nur einen kleinen Hof, in dem Kevin seinen Bewegungsdrang nicht ausleben konnte. Ein kurzer, unbeobachteter Augenblick, und er sprang sogar aus dem Fenster im Erdgeschoss direkt auf die Straße. Denis brachte es ganz altklug auf den Punkt: „Wir haben uns unseren Traum von einem eigenen Haus erfüllt.“ Trotz der Schulen ist die Familie zufrieden und dankbar. „Jetzt zahlen wir eben anstatt der Miete den Bankkredit zurück, außerdem war das Haus relativ günstig.“ Im Herbst halfen die Verwandten mit, wenigstens die drei Zimmer im Erdgeschoss des sanierungsbedürftigen Altbaus auf Vordermann zu bringen. Zusammenhalt steht bei den Popas nämlich an erster Stelle, gegenseitige Unterstützung im großen Familien- und Verwandtenkreis ist eine Selbstverständlichkeit.

Noch viel Renovierungsarbeit

Keller und Dachgeschoss müssen im Frühjahr noch renoviert und umgebaut werden, dann bekommt auch Denis sein eigenes Reich. Ein hoher Zaun ist ebenfalls notwendig, um dem sportlichen Kevin das Übersetzen zu erschweren. Finanziell kommt also noch einiges auf die Familie zu – hier will die Aktion „Freude durch Helfen“ einen kleinen Beitrag zur Erleichterung des Alltags leisten.