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Mathilde Hartmann erhält seit Jahren Unterstützung von der Nachbarschaftshilfe. Josef Ganslmeier und sein Sohn Benedikt bringen Einkäufe. Foto: Wiest

Von Johannes Wiest

Vilsbiburg. Über eine Bitte muss Angela Ammer noch heute schmunzeln. „In der Anfangszeit hat eine Familie angerufen und erwartet, dass wir mit einem Trupp Ehrenamtlicher kommen. Der sollte beim Bau ihres Hauses helfen.“ So weit geht die Nachbarschaftshilfe aber nicht. Die 1997 ins Leben gerufene Initiative bietet aber kleinere Erleichterungen wie Besuchs- und Fahrdienste oder Einkaufshilfen an.

Ammer ist seit der Gründung die erste Anlaufstelle der Nachbarschaftshilfe, die sich um Arbeiten im Haushalt, kleinere Reparaturen oder die Entlastung von pflegenden Angehörigen kümmert. „Wir stellen aber sicherlich keine Konkurrenz zum Handel oder zum Handwerk dar“, stellte Ammer klar. Ein Beispiel dafür sei die Anfrage einer älteren Frau, deren Fernseher nicht mehr funktionierte. „Da hat dann jemand von der Nachbarschaftshilfe nachgesehen, ob es vielleicht nur eine Kleinigkeit ist, oder ob sich das ein Elektriker ansehen muss. Besonders ältere Menschen brauchen jemanden in manch einer Hilflosigkeit.“ Es sind vor allem alleinstehende Senioren, die die Dienste der Nachbarschaftshilfe in Anspruch nehmen. „Ich bekomme aber auch häufig von Familien Anrufe, die beispielsweise jemanden zum Tiersitting brauchen“, so Ammer.

Rund 15 Ehrenamtliche bieten derzeit ihre Hilfe an, die Altersspanne reicht vom Jugendlichen bis hin zum Rentner. Die Anzahl der Helfer schwankt dabei stetig. „Im Frühjahr engagierten sich zum Beispiel viele Studenten, die während des ersten Lockdowns nach Vilsbiburg zurückkamen und eigentlich andernorts studieren. Das hat uns sehr geholfen, denn vor allem bei älteren Menschen herrschte zu dieser Zeit oft Einsamkeit und Gesprächsbedarf“, so Ammer.

Die erste Kontaktaufnahme der Hilfesuchenden und Ehrenamtlichen erfolgt stets telefonisch über sie, wobei die Anzahl der Anfragen schwer vorherzusagen ist. „Manchmal sind es fünf Anrufe pro Woche, manchmal auch nur zwei Anrufe in drei Wochen.“ Im Anschluss an ein Hilfegesuch beginnt für Ammer die Vermittlung. „Die Leute helfen den Hilfesuchenden dann meist dauerhaft und es entwickelt sich eine Beziehung.“

Mathilde Hartmann etwa erhält bereits seit mehreren Jahren Unterstützung von der Nachbarschaftshilfe. Aufgrund einer körperlichen Behinderung und eines zusätzlich schwindenden Sehvermögens kann sie größere Einkäufe nicht mehr selbst erledigen. Eine Aufgabe, die seit rund fünf Monaten die Familie Ganslmeier einmal im Monat für sie erledigt. Ammer hatte die Familie kontaktiert, nachdem Hartmanns ehemalige Hilfe dies altersbedingt nicht mehr übernehmen konnte. „Die Nachbarschaftshilfe ist für mich eine riesige Erleichterung. Leider bin ich in vielerlei Hinsicht eingeschränkt, da hilft das natürlich enorm und ich bin sehr dankbar“, so Hartmann.

Der Besuchsdienst der Nachbarschaftshilfe ist unentgeltlich, beim sogenannten Hilfs- und Entlastungsdienst wird pro Einsatz eine Pauschale von fünf Euro erhoben. Mit diesem Betrag sollen die Telefon- und Fahrtkosten der Helfer beglichen werden. Häufig verzichten die Ehrenamtlichen allerdings auf diese kleine Aufwandsentschädigung.

„Da geht es nicht ums Finanzielle. Für sie ist die größte Belohnung, dass sie helfen können“, erklärte Ammer. Sie selbst stellt dabei keine Ausnahme dar. „Erst vor kurzem hat mich eine ältere Dame angerufen, die ich eigentlich schon an einen Helfer vermittelt hatte. Sie hat mir gesagt, was das für eine große Erleichterung für sie ist und sich bedankt. So etwas freut einen dann natürlich schon.“

Info

Die Nachbarschaftshilfe Vilsbiburg ist unter Telefon 08741/86 91 zu erreichen. Dort können sich sowohl Hilfesuchende als auch Ehrenamtliche bei Angela Ammer melden.