Regina Probst wird vom Ambulant Begleiteten Wohnen bei der Strukturierung ihres Alltags in den eigenen vier Wänden unterstützt. Sehr vieles hat die 33-Jährige dabei selbst im Griff.
Von Karola Decker
Straubing. Möglichst selbstständig leben und doch Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags erhalten. Das bietet das Ambulant Begleitete Wohnen (ABW) der gemeinnützigen Behindertenhilfe der Barmherzigen Brüder. In der Region Niederbayern begleiten derzeit 24 Mitarbeiter 75 Frauen und Männer mit ganz unterschiedlichem Hilfebedarf. Die Straubingerin Regina Probst ist eine davon.
Mit ihren pinken Haaren und dem sonnigen Gemüt ist die 33-Jährige eine positive Erscheinung. Sie arbeitet gerne in den Werkstätten der Barmherzigen Brüder. Noch lieber wäre es ihr allerdings, eine Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. „Eine Ausbildung zur Beiköchin habe ich bereits abgeschlossen“, schildert sie. Aktuell trainiert sie in dem Programm BÜWA (Begleiteter Übergang Werkstatt – allgemeiner Arbeitsmarkt), um fit für einen Job in der freien Wirtschaft zu werden. Vor allem der Verkauf hat es ihr angetan, deshalb hat sie es sich zum Ziel gesetzt, einmal in einer Bäckerei die Kunden zu bedienen.
Bis es soweit ist, muss sie allerdings noch mit ihrem Werkstatt-Lohn zurechtkommen, der bekanntermaßen nicht sonderlich üppig ausfällt. Besondere Anschaffung außer der Reihe sind da nicht drin. Weil nun aktuell ihr Herd kaputt gegangen ist, erhält Regina Probst Unterstützung durch die Benefizaktion „Freude durch Helfen“. Die Patenschaft haben die Einrichtungen der Barmherzigen Brüder übernommen. „Seit einem Jahr koche ich mit einem Campingkocher“, erzählt Regina Probst lachend. Sie ist heilfroh, ihr Essen wieder auf einem normalen Herd zubereiten zu können. Denn auf ihre eigenen vier Wände und ihr selbstständiges Leben ist sie stolz. Je nach Bedarf wird sie dabei bis zu vier Stunden pro Woche von zwei Mitarbeiterinnen des ABW begleitet. „Wir helfen zum Beispiel dabei, den Haushalt zu strukturieren und bei alltäglichen Besorgungen“, verdeutlicht Sozialpädagogin Lisa Petzko.
Regina Probst habe jedoch sehr vieles selbst ganz gut im Griff. In ihrer Freizeit engagiert sie sich ehrenamtlich, ist zum Beispiel Ministrantin, Mitglied beim BDKJ und dem Stadtjugendring, geht vielen Hobbys nach und kümmert sich liebevoll um ihre vier Hasen. Seit elf Jahren lebt sie in ihrer eigenen Wohnung und ist rundum zufrieden damit.
Flexible Wohn- und Lebensform
Das Ambulant Begleitete Wohnen ist eine flexible Wohn- und Lebensform, die sich an Menschen mit geistiger, körperlicher oder psychischer Behinderungen richtet, die ihr Leben eigenständig in Wohnungen oder Wohngemeinschaften organisieren wollen. Die Mitarbeiter des ABW unterstützen die Klienten dabei stundenweise durch gezielte Beratung und Begleitung.
Die Entwicklung von Eigenständigkeit bei Alltagsherausforderungen und die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft stehen stets im Mittelpunkt. Ziel ist es, den Klienten ein selbstbestimmtes Leben innerhalb der Gesellschaft zu ermöglichen.