Eine Familie trifft das Schicksal hart: Die Eltern sind erkrankt, das Kind hat große Ängste
Von Stefanie Wieser
Landkreis Landshut. Für eine kleine Familie aus dem nördlichen Landkreis ist jeder Tag ein Kampf. Die Mutter, 45 Jahre alt, leidet nun schon seit 20 Jahren an einer chronischen Krankheit, der Vater wurde wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs operiert und versucht nun, die Folgen zu meistern. Beide kümmern sich trotz einer räumlichen Trennung so gut es geht um den Sohn, der nächstes Jahr in die Schule kommen soll. Alle drei versuchen irgendwie, die Situation zu meistern. Die Mutter hatte eigentlich immer einen Beruf, der ihr Spaß machte. Sie ist gelernte Arzthelferin, orientierte sich aber dann in den Bereich Verkauf, war sogar Leiterin einer Bäckereifiliale. Doch dann fiel sie durch die Krankheit Morbus Crohn immer wieder aus.
Irgendwann war sie für den Arbeitgeber nicht mehr tragbar, musste Erwerbsminderungsrente beantragen, die ihr inzwischen bewilligt wurde. Für den Haushalt, den sie früher ohne Probleme in zwei Stunden pro Woche erledigte, braucht sie nun mindestens einen Vormittag. Jüngst kam noch eine OP wegen eines Bauchnabelbruchs hinzu. Irgendwann wird sie auch einen künstlichen Darmausgang brauchen, denn der Darm wird immer dünner und poröser, erzählt sie. Sie hofft, dass sich das noch hinauszögern lässt.
Der Vater erkrankte im vergangenen Jahr. Er hatte eine gute Arbeit in einer Polsterei. Doch dann sah er plötzlich immer schlechter aus, wirkte grau im Gesicht. Seine Frau zwang ihn zum Arztbesuch. Nach einem MRT die Klarheit: Bauchspeicheldrüsenkrebs. Der Tumor ist so groß, dass zunächst eine Chemo versucht wird. Doch sie schlägt nicht an, erinnert sich die 45-Jährige. Schließlich muss doch operiert werden. Der Familienvater verliert Bauchspeicheldrüse und Milz und ist in Folge schließlich Diabetiker. Schlafapnoe hatte er bereits vorher. Nach der OP ist tags und auch nachts enorm viel Unruhe in der Wohnung. Die Maske für die Schlafapnoe, immer wieder der Alarm wegen des Diabetes, dazu noch Schmerzen nach der OP. Die Mutter ist ebenso angeschlagen durch ihre Krankheit. Der Sohn findet kaum mehr Schlaf. Sorge und Angst sind ständige Begleiter.
Schließlich gehen die Eltern einen ungewöhnlichen Weg. Der Vater zieht in sein Elternhaus. Sie trennen sich räumlich, sind aber nach wie vor ein Paar. Der Vater kommt zu Besuch, so oft er kann. Im Elternhaus wird er erst noch von der Mutter versorgt, die allerdings nun im Herbst verstarb. Außerdem ist der Bruder des Mannes regelmäßig im Elternhaus. Der Vater komme alleine gut klar, muss aber immer auch noch zu Nachsorgeterminen wegen der Krebserkrankung. Nach wie vor schwingt Angst mit.
Der Sohn muss mit der Mama vorsichtig umgehen
Der Sohn muss besonders vorsichtig mit der Mama umgehen. Beim Spielen und Toben muss er auf ihren Bauch aufpassen. Die Bauch-OP und danach auftretende Komplikationen bereiten dem Jungen weitere Sorgen. Er fragt seine Mama: „Was mache ich, wenn du wieder ins Krankenhaus musst? Muss ich mich dann allein anziehen und in den Kindergarten gehen?“ Die Mutter ist völlig aufgelöst, als sie die Gedanken ihres Kindes mitbekommt.
Sie versucht, sich so gut es geht zu kümmern, doch die Ängste des Kindes sind nach allem, was passiert ist, nachvollziehbar. Sie will dem Kind einen stabilen Alltag bieten, doch immer klappt es nicht. Unterstützt wird sie dabei von ihrer erwachsenen Tochter, die aber selbst ein kleines Kind hat und nicht immer helfen kann. Der Vater ist nach wenigen Stunden Kinderbetreuung so geschwächt, dass er sich wieder ausruhen muss, erzählt die Mutter.
Und dann kommen noch die finanziellen Sorgen. Das Krankengeld des Vaters, die Erwerbsminderungsrente und das Kindergeld sind die Einnahmen der Familie, mit denen sie hohe Ausgaben stemmen muss. Als sie sich die knapp über 100 Quadratmeter große Wohnung ausgesucht haben, konnten sie es sich noch leisten. Doch nun sieht es anders aus. Mama und Kind suchen eine kleinere Bleibe, damit irgendwann nicht auch noch Mietschulden entstehen.
Etwa 70 Quadratmeter, mit drei Zimmern, damit der Sohn ein eigenes Zimmer hätte, wären ihr Wunsch. Wegen ihrer gesundheitlichen Einschränkungen wären Erdgeschoss oder maximal erster Stock eine Option. Gerne auch in Richtung Ergolding, weil dort ihre Mutter wohnt.
Bisher lief die Wohnungssuche aber niederschmetternd. Zu allem Übel ist außerdem der Trockner kaputt, und auch die Waschmaschine gibt komische Geräusche von sich. „Der finanzielle Druck steigt gehörig.“