Ein kleines Herz gegen große Einsamkeit

Lichtblick: Warum Unterstützung für Senioren mit Haustieren mehr als finanzielle Hilfe ist.
 
Von Angelika Gabor
 
Plattling. Zärtlich gleiten Anna Bs. Finger durch Xavers warmes Fell. Der kleine Hund schmiegt sich an sie, atmet ruhig, vertraut, warm. Anna B., 73 Jahre alt, sitzt auf ihrem abgewetzten Sofa, eingehüllt in eine dicke Strickjacke. Die Heizung hat sie auf ein Minimum zurückgedreht – sie muss sparen, an allen Ecken und Enden.
 
Manchmal gönnt sie sich nur ein Butterbrot oder eine einfache, warme Nudelsuppe. Mehr ist nicht drin. Doch während sie bei sich selbst jeden Cent zweimal umdreht, spart sie an einer Stelle niemals: bei Xaver. „Hauptsache, ihm geht es gut“, sagt sie leise und lächelt ihn an.
 
Ein Grund, morgens aufzustehen
 
Für viele mag Xaver „nur“ ein kleiner Hund sein. Für Anna B. ist er viel mehr. Er ist ihr liebster Begleiter, ihr Halt im Alltag – der Grund, warum sie jeden Morgen die Füße aus dem Bett schwingt. Seine fröhliche Begrüßung holt sie in den Tag zurück, auch wenn Sorgen schwer auf ihren Schultern liegen. Durch die täglichen Spaziergänge hat die 73-Jährige wieder Berührungspunkte mit der Welt dort draußen: ein Lächeln, ein kurzer Gruß, ein Gespräch über das Wetter oder eben über „Waukis Befindlichkeiten“. Kleine Dinge, die für viele selbstverständlich sind – für sie jedoch ein Stück Lebensqualität.
 
Xaver hält sie ein wenig fit. Er hört ihr zu, wenn sonst niemand lauscht. Er ist da. Einfach nur da.
 
Anna B. gehört zu jenen Senioren, deren Rente kaum reicht. Ein Haustier könnte sie sich eigentlich nicht leisten und doch kann sie sich ein Leben ohne Xaver nicht vorstellen. Ohne die Unterstützung der Lichtblick Seniorenhilfe wäre ihr Alltag kaum zu bewältigen. Sie bekommt Hilfe bei den wichtigsten Dingen: Lebensmittel, notwendige Haushaltsausgaben – und wenn es einmal nötig ist, sogar bei besonderen Tierkosten wie Impfungen.
 
„Natürlich hören wir immer wieder: Es soll doch der Rentner versorgt sein, nicht das Haustier“, sagt Angelika Färber vom Deggendorfer Lichtblick-Büro. Im Team habe man lange darüber diskutiert, ob man arme Rentner auch bei Tierkosten unterstützen dürfe. Die Entscheidung war nicht leicht und sei durchaus kontrovers diskutiert worden. Doch am Ende stand ein klares Fazit: „Ein Haustier ist für viele ältere Menschen ein Lebenselixier.“
 
Denn Einsamkeit ist ein stiller Begleiter vieler armer Rentner. Wer sich Ausflüge, Cafébesuche oder Kultur nicht leisten kann, dem bleibt oft nur das Schweigen der eigenen vier Wände. Und manchmal kann ein Tier genau dort retten, wo die Gesellschaft nicht mehr hinsieht. „Ein Tier tröstet, fordert, wärmt. Es urteilt nicht, es fragt nicht nach Geld“, deshalb habe sich die Lichtblick Seniorenhilfe dazu entschieden, auch bei Haustierkosten einzuspringen, wenn keine andere Möglichkeit besteht.
 
Kein Luxus, sondern Halt im oft trostlosen Alltag
 
Lichtblick übernimmt aber keine Kosten für eine Neuanschaffung eines Haustiers, doch jene Senioren, die schon lange ein Tier besitzen, werden beim Unterhalt unterstützt. Futter, medizinische Versorgung, unerwartete Ausgaben: Hilfe kommt dort an, wo sie dringend gebraucht wird.
 
Für Anna B. bedeutet diese Unterstützung ein Stück Würde und die Gewissheit, dass sie Xaver behalten darf.
 
Sie zieht ihre Strickjacke enger um sich, stellt den Heizkörper noch ein kleines Stückchen zurück. Und dann schaut sie zu ihrem kleinen Freund hinunter. „Lieber Spatzi“, flüstert sie. „Solange ich dich habe, ist das Leben schön.“ Xaver hebt den Kopf, stupst sie mit der feuchten Nase an. Und plötzlich ist in diesem kühlen Raum etwas zu spüren, das wärmer ist als jede Heizung: Zuneigung. Nähe. Hoffnung.
 
„Haustiere verändern nicht die gesellschaftlichen Missstände. Sie heben keine Renten an, sie füllen keine Kühlschränke und senken keine Rechnungen. Aber sie tun etwas, das fast ebenso wichtig ist: Sie schenken Lebenskraft“, sagt Angelika Färber.
 
Für Menschen wie Anna B. kann ein Tier der Unterschied sein zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft, zwischen Trübsinn und Lächeln, zwischen einem schweren und einem erträglichen Alltag.