Sandra M. hat COPD im Endstadium. Seit dem Tod ihres Mannes plagen die 62-Jährige auch noch finanzielle Sorgen. Um ihr Häuschen zu heizen, muss sie Brennholz zukaufen.
Von Alexandra Brückl
Waldmünchen. Das Beatmungsgerät ist ihr ständiger Begleiter, ohne dieses Hilfsmittel bleiben Sandra M. gerade einmal 15 Minuten, dann sinkt der Sauerstoffgehalt in ihrem Blut so stark, dass sie ohnmächtig wird. Zweimal ist die 62-Jährige deswegen schon ins Koma gefallen, musste wiederbelebt werden. „Jedes Mal war es Rettung in letzter Sekunde“, erzählt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Sandra M. nennt sie sich hier, denn ihren richtigen Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen.
Seit 15 Jahren leidet Sandra an der chronischen Lungenerkrankung COPD, mittlerweile im Endstadium, der Stufe GOLD 4. Sie hat extreme Atemnot, auch in Ruhe, und ist in ihrer körperlichen Belastbarkeit stark eingeschränkt. Chronische Erschöpfung und weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Bandscheibenvorfälle, Arthrose, Arthritis und Diabetes machen ihr zudem das Leben schwer. „Eine Folge der COPD-Erkrankung beziehungsweise der Medikamente, die ich seit Jahren einnehmen muss“, vermutet sie.
Ohne Beatmungsgerät und Rollator geht es nicht
Neben gesundheitlichen Problemen plagen die 62-Jährige, die im Altlandkreis Waldmünchen wohnt, nun auch noch finanzielle Sorgen. Früher war sie Friseurin, blieb dann aber zu Hause und zog die beiden Söhne groß. „Mein Mann verdiente gut, es reichte“, erinnert sie sich an bessere Zeiten. Als die Kinder größer waren, arbeitete sie in einem Lager und trug so zum Familieneinkommen bei.
Bis 2010 war die Welt für Sandra und ihre Familie in Ordnung, dann bekam sie die Diagnose COPD und erste körperliche Einschränkungen machten sich bemerkbar – „ich war immer weniger belastbar, mit jeder Erkältung verschlimmerte es sich“. Schon ein Jahr später der nächste Schicksalsschlag: Ihr Mann erleidet den ersten Schlaganfall, ist von einem Tag auf den anderen nicht mehr arbeitsfähig und auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Wegen der Pflege ihres Mannes und der aufgrund ihrer Erkrankung eingeschränkten Belastbarkeit kann Sandra nicht mehr arbeiten. „Das Geld war zwar knapp, aber wir sind gerade so über die Runden gekommen“, erzählt Sandra. Dann bekommt ihr Mann einen zweiten Schlaganfall und auch ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich kontinuierlich. Mittlerweile hat sie Pflegegrad 2, ist 80 Prozent schwerbehindert.
Als ihr Mann im Februar 2024 im Alter von 64 Jahren plötzlich stirbt, wird es für Sandra M. finanziell richtig eng: Ohne seine Rente und das Pflegegeld fehlen nun 900 Euro im Monat. Doch die Kosten für Miete, Lebensunterhalt et cetera bleiben gleich, sagt sie.
Wegen ihrer Erkrankung ist die 62-Jährige – sie braucht nicht nur rund um die Uhr ein Beatmungsgerät, sondern auch einen Rollator, um sich im Haus zu bewegen – selbst auf Hilfe angewiesen. Zur Unterstützung im Alltag hat sie eine Haushaltshilfe und auch ihr Sohn kümmert sich um sie. „Ohne ihn würde es nicht gehen“, gesteht Sandra. Der 32-Jährige ist derzeit auf Arbeitssuche – „nach einer Teilzeitstelle, weil er mich nicht den ganzen Tag allein lassen kann“, sagt Sandra.
Die beiden wohnen zur Miete in einem kleinen Häuschen, das mittlerweile in die Jahre gekommen ist. Da fallen immer wieder Reparaturen an, die sich Mutter und Sohn aber nicht leisten können, denn die Rücklagen sind längst aufgebraucht. Bei ihrem Kleinwagen, mit dem sie einmal wöchentlich zum Einkaufen fahren, läuft im März der TÜV ab. „Die Plakette werden wir aber nicht mehr bekommen“, vermutet Sandra und erklärt warum: Seit einiger Zeit macht die Elektronik Schwierigkeiten und solange die nicht behoben sind, kommt das Auto nicht durch den TÜV. Aber auch dafür fehlen der 62-Jährigen die finanziellen Mittel.
Not macht bekanntlich erfinderisch, so hat Sandra mittlerweile gelernt, sich mit den Mängeln im Haus, wie beispielsweise verstopfte Rohre, zu arrangieren und auch der im Frühjahr anstehende TÜV fürs Auto macht ihr noch kein allzu großes Kopfzerbrechen. Ihre größte Sorge ist derzeit eine ganz andere: Brennholz.
Der Winter hat mittlerweile Einzug gehalten und für die gesamte Saison stehen ihr vier Ster zu. „Das ist ein Witz“, meinte sie mit Blick auf die lange Heizperiode, die meist von September bis Ende März/Anfang April geht. Ihre einzige Heizquelle sind zwei Holzöfen. Damit es in dem Häuschen wenigstens „überschlagen“ ist, braucht sie mindestens zehn Ster und muss deshalb Holz zukaufen. Im Durchschnitt fallen dafür zusätzliche Kosten von etwa 1.000 Euro oder gar mehr an – Geld, das Sandra nicht hat.
Die Angst, bei Minusgraden in einem kalten Haus zu sitzen, nagt an ihr. So hat sie nur einen Wunsch: Wärme, also Brennholz, damit sie ihr Häuschen heizen kann. Wenn sich dieser Wunsch dank Spenden aus der Aktion „Freude durch Helfen“ erfüllen würde, wäre das für Sandra M. das schönste Weihnachtsgeschenk.