Wenn nur die Erin­ne­run­gen blei­ben

Wenn nur die Erin­ne­run­gen blei­ben

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Trotz jahrzehntelanger Arbeit bleibt für S. im Alter kaum etwas übrig. Foto: Jens Kalaene/dpa

Von Matthias Sedlmeier

Furth. Früher hat Ludwig S. (Name geändert) Kuchen und Torten zur Tafel gebracht. Der ehemalige Bäcker ist jetzt im Alter von 67 Jahren selbst von Armut betroffen und kämpft in seiner Mietwohnung in Furth im Landkreis Landshut mit körperlichen und psychischen Problemen. Trost findet er durch seinen Hund Charlie – und in den Erinnerungen an bessere Zeiten.

 Für den gebürtigen Landshuter S. lief es lange Zeit gut. 1980 übernahm er mit seiner damaligen Frau eine Bäckerei in Miesbach in Oberbayern. In den Jahren darauf machte er sich als „Brezenkönig“ einen Namen, er eröffnete drei weitere Backstuben in Oberbayern und beschäftigte viele Mitarbeiter. In den Backstuben seien damals Wintersportgrößen ein- und ausgegangen, erinnert sich der 67-Jährige stolz. Als eine Miesbacherin die Rodelweltmeisterschaft gewann, lieferte er eine Torte für die Siegerin.

Aus den alten Erinnerungen schöpft er heute Kraft

S. spricht gerne über alte Zeiten. Er scherzt und lacht, wenn er von seiner Bäckerkarriere oder seiner Zeit als Fußball-Schiedsrichter erzählt. Aus diesen Erinnerungen schöpft er heute Kraft.

Vor etwa zehn Jahren ging es für S. bergab. Bei einem Rechtsstreit um einen Pachtvertrag verlor er alles, was er sich bis dahin aufgebaut hatte. Der Bäcker wurde zahlungsunfähig und musste seine vier Filialen aufgeben, in die er viel Geld investiert hatte. Komplett durchgerasselt sei er damals, sagt er.

Heute friert der 67-jährige Rentner in einer Wohnung in Furth. Aus seinen beiden geschiedenen Ehen gingen keine Kinder hervor. Nur sein Hund Charlie leistet ihm Gesellschaft, ab und an kommt eine Nachbarin vorbei. Die Einsamkeit belastet ihn.

Nur ein Holzofen in der Küche beheizt das Häuschen, in dem S. lebt. Im Schlaf- und im Wohnzimmer gibt es keine Heizung. Weil die Schamottsteine des Ofens kaputt sind, nutzte er zwischenzeitlich einen Heizstrahler – die Stromkosten schossen in die Höhe. Mit seiner Altersrente und Grundsicherung kommt er kaum über die Runden, sagt der ehemalige Bäcker. Größere Anschaffungen, wie einen neuen Ofen, kann er sich nicht leisten.

Die Wohnung war ursprünglich nur als Übergangslösung gedacht – immer noch besser, als auf der Straße zu sitzen, meint S. Mittlerweile sind Jahre vergangen. Die Suche nach einer besseren Unterkunft gestaltet sich für den 67-Jährigen nicht nur finanziell schwierig. Die Bürokratie, die er für den Umzug in eine Sozialwohnung überwinden muss, überfordert ihn. Dabei soll ihm künftig ein Betreuer helfen, doch das Verfahren zieht sich. Momentan kümmert sich die Caritas um dem ehemaligen Bäckereien-Inhaber.

Die Wohnsituation schadet seiner Gesundheit

Die Lebensumstände von S. verschlechterten sich vor Kurzem noch einmal – er brach sich bei einem Sturz einen Lendenwirbel und ist seitdem körperlich stark eingeschränkt, ein Pflegedienst hilft ihm einmal wöchentlich beim Waschen. „Bei mir liegen mehr Schmerzmittel als in der Apotheke“, meint er. Umso wichtiger wäre es für S., aus seiner jetzigen Wohnung herauszukommen, denn der Schimmel an den Wänden, die Kälte und der Rauch aus dem beschädigten Holzofen setzen seiner Gesundheit weiter zu.

Doch gesund leben ist schwierig, wenn das Geld fehlt, sagt er. Für gute Lebensmittel reiche seine Rente genau so wenig wie für einen Besuch im Schwimmbad. Dort möchte S. mal wieder hin, das würde auch seinen Rücken guttun, davon ist er überzeugt.