Jeder Tag zählt

Schwer­kran­ke sol­len letz­te Zeit im Ta­ges­hos­piz ge­nie­ßen kön­nen

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Reisbach. (tim) Der Brand des Mehrfamilienhauses am ehemaligen Herrenkloster erschütterte am 23. Oktober nicht nur die Marktgemeinde Reisbach (Landkreis Dingolfing-Landau). Vier Menschen verloren dabei das Leben, über 20 andere ihr Zuhause. Rund 250 Rettungskräfte aus dem ganzen Landkreis verhinderten durch ihren „hervorragenden Einsatz“, dass die Bilanz noch schlimmer aussieht, wie Bürgermeister Rolf-Peter Holzleitner kurz nach dem Vollbrand mitteilte. Die Gemeinde hatte auch schnell reagiert, um den Betroffenen zu helfen.

Bereits am 26. Oktober wurde bekannt gegeben, dass ein Spendenkonto eingerichtet worden war. Zwischen allen Betroffenen, die die Unterstützung angenommen haben, wird gleich geteilt. „Alles läuft über unsere Kasse“, sagt Rathauschef Holzleitner. Auch Möbel konnten gespendet werden. „Dies wurde im Vorzimmer abgewickelt.“ In erster Not kämen jedoch viele Dinge, an die man normalerweise nicht denkt. Die Kaution für die neue Wohnung beispielsweise. „Da brauchen die Leute schnell 1500 bis 3000 Euro“, so der Bürgermeister, „dazu braucht man eine Wohneinrichtung“.

Betroffene haben alles verloren

Die Betroffenen haben alles verloren: Zuhause, Papiere, Kleider. „Was das bedeutet, wird einem erst bewusst, wenn man damit konfrontiert ist.“ Das, was nicht verbrannt war, haben das Löschwasser und der Rauch kaputtgemacht: Kleidung, Möbel, Waschmaschinen, Spülmaschinen, Küchen- und Wohnzimmergarnituren, Schränke und vieles mehr. Über 160 einzelne Positionen hat die Spendenliste. „Es war ein richtiges Überangebot da“, sagt Holzleitner, „wir haben erst schauen müssen, dass die einzelnen Möbelstücke zu den Wohnungen passen“. Auch die Dienste einer Dolmetscherin waren für einige Familien notwendig. „Man braucht da eine Person, die die Situation erklärt, dass die Leute im Hotel untergebracht werden, dass sie dort etwas zum Essen bekommen.“ Hilfsbereite Mitbürger haben angerufen, weil sie ein leerstehendes Haus zur Verfügung stellen wollten, in das Betroffene sofort einziehen konnten. Ein Teil der Betroffenen fand bei Verwandten eine Unterkunft, „was in der Situation vielleicht sogar das Beste ist, weil man jemand um sich herum hat und die Ängste teilen kann“, bemerkt das Marktoberhaupt. „Ein Brandopfer war in der Türkei zur Welt gekommen und sollte dort begraben werden. Sowas zu organisieren und auch finanziell zu stemmen, ist nicht ganz einfach.“ Durch die Spenden war dies jedoch möglich.
Bisher wurden rund 180000 Euro gespendet, informiert der Bürgermeister der Marktgemeinde. „Wir haben sehr viele Spenden aus der ganzen Region bekommen. Da kann ich nur Danke sagen für die Hilfsbereitschaft. Bei aller Not und allem Leid war es schon wie ein kleines Vorweihnachtswunder. Da war man nicht allein gelassen.“ Auch die Betroffenen möchten vor allem „Danke“ sagen, und dass sie sich aufgehoben fühlen, teilte Holzleitner mit. Diese Summe muss jedoch durch 21 geteilt werden. Pro Kopf sind es dann knapp 9000 Euro. Wenn man dabei bedenkt, dass der Durchschnittspreis für eine Küche in Deutschland bei 7000 Euro liegt, wirkt die Summe jedoch nicht zu hoch. Jeder Cent wird sinnvoll genutzt.
Auch bei den Hilfskräften will sich der Bürgermeister bedanken: „Sie haben auf einem höchst professionellen Niveau gearbeitet. Weit über zehn verschiedene Feuerwehren waren da, haben jedoch als eine Einheit gearbeitet.“ Ein Kriseninterventionsteam war ebenfalls zur Unterstützung der Betroffenen, Angehörigen und Hilfskräfte gleich nach der Katastrophe vor Ort. „Wenn bei einem Einsatz Leute ums Leben kommen, hinterlässt das Spuren“, so Holzleitner, „im Landkreis sind wir zum Glück auch da sehr gut aufgestellt mit professioneller Hilfe.“