„Mei­ne Kin­der sind alles für mich“

Ste­fa­nie H. muss mit ihren Kin­dern immer wie­der zu ver­schie­de­nen Ärz­ten fah­ren – doch das Geld für das wich­ti­ge Auto ist bei der al­lein­er­zie­hen­den Mut­ter knapp

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Auf eine Gehhilfe ist Stefanie H.s Sohn Felix angewiesen: Er braucht einen Rollator und einen Stehständer. Das alles sowie den Buggy für die Zwillinge muss Stefanie H. mit ihrem Auto transportieren. Symbolfoto: Andreas Arnold/dpa

Von Franziska Florian

Straubing-Bogen. Stefanie H. (alle Namen geändert) und ihr Partner haben nicht nur einen schweren Schicksalsschlag erlitten: Erst kam Sohn Luis vor fast fünf Jahren als Extremfrühchen zur Welt, 2019 dann die Zwillinge Felix und Moritz – ebenfalls als Extremfrühchen. Bei Felix trat zwei Tage nach der Geburt eine Gehirnblutung auf.

Das hat nicht nur ihr eigenes Leben verändert, sondern auch ihre Beziehung zu ihrem Partner. „Das hat uns beiden den Boden unter den Füßen weggezogen und unsere Beziehung gespalten“, sagt Stefanie H. Wegen der Kinder habe sie versucht, die Partnerschaft aufrecht zu erhalten. Doch der Mann an ihrer Seite machte Stefanie H. das Leben schwer. Er demütigte und beleidigte sie und behandelte sie herablassend. Schließlich trennte sie sich von ihrem Lebensgefährten, der dann aus der gemeinsamen Wohnung auszog und sich seither nur sporadisch um seine Kinder kümmert.

Die Familie ist auf ihr Auto angewiesen
Seitdem muss Stefanie H. den Alltag mit ihren Kindern alleine stemmen. Und das hat es oft in sich, wie sie erzählt. Unter anderem muss sie mit Felix, Moritz und Luis regelmäßig zum Neurologen nach Regensburg, zur Frühförderung nach Landshut und zum sozialpädriatischen Zentrum nach Deggendorf. Denn durch die Hirnblutung, die Felix erlitt, wird vermutlich eine spastische Lähmung in einer Hand und einem Fuß zurückbleiben.

Weil er dadurch nicht die Kraft hat, sich mit seinem Fuß und seiner Hand abzustützen, hat der fast Dreijährige einen Rollator und einen Stehständer. Die wichtigen Hilfsmittel mit dem öffentlichen Nahverkehr zu transportieren, wäre für die Mutter nicht machbar. Dazu kommt, dass Stefanie H. im Landkreis Straubing-Bogen wohnt und die Busverbindungen nicht ausreichen. „Für mich ist mein Auto das A und O. Wenn wir mit dem Bus fahren müssten, wäre das eine Katastrophe“, sagt sie.
Kürzlich war der TÜV bei ihrer „Hilde“ – so wird das Auto in der Familie genannt, da es ein so wichtiger Bestandteil ist – fällig. Dazu kam eine größere Reparatur für mehrere hunderte Euro. „Man bekommt oft Bauchschmerzen, weil man nicht weiß, wie man das finanziell alles stemmen soll“, erzählt Stefanie H.

Felix ist pflegebedürftig und hat eigentlich Anspruch auf einen Pflegedienst. „Ich finde aber niemanden, der das übernehmen kann, bei dem dann auch die Uhrzeiten passen“, erklärt Stefanie H. Deshalb kämpft sie sich durch und versucht, ihren Kindern so gut es geht, zu helfen. „Meine Kinder sind alles für mich“, sagt die Mutter.

Doch während der Corona-Pandemie ist es für Stefanie H. und ihre Kinder noch etwas schwerer geworden. Lange konnte sie mit den drei Kindern nicht zur Physiotherapie oder zur psychologischen Betreuung gehen. „Ich versuche dann daheim, die wichtigsten Übungen mit ihnen zu machen. Aber ich bin halt kein Psychologe oder Physiotherapeut.“

„Mein Luxus ist Essen, Sprit und ein Dach überm Kopf“
Die Situation zehre an ihr. Stefanie H. schaue nur auf ihre Kinder, nicht auf sich selbst. „Mein Luxus ist Essen, Sprit und ein warmes Dach überm Kopf“, sagt sie. Und sie freut sich über die kleinen Dinge im Leben. Zum Beispiel, wenn Felix mal alleine steht, wie es Anfang November der Fall war. „Er probiert sich aus und er wird seinen Weg machen“, erzählt die Alleinerziehende unter Tränen. Sie sei stolz, dass er kleine Fortschritte mache und den Ansporn habe.

Eine große Stütze für Stefanie H. ist ihr ältester Sohn Paul, der aus der vorherigen Beziehung stammt. Er passt auf seine Geschwister auf, damit seine Mama beispielsweise kurz zum Einkaufen fahren oder wichtige Telefonate führen kann. Einfach sei es für Paul jedoch nicht. „Er ist ein Teenager und möchte auch mal am Wochenende bei einem Freund übernachten. Und er soll seine Jugend auch genießen“, sagt Stefanie H. „Ich bin der glücklichste Mensch, wenn es meinen Kindern gut geht.“
Mit einer Spende an „Freude durch Helfen“ unterstützen Sie unter anderem Familien und Alleinerziehende wie Stefanie H.