Ein neues Bad für den Sohn

Eine Groß­fa­mi­lie aus dem Land­kreis Regen re­no­viert ihr Haus in Ei­gen­re­gie. Die Kos­ten für ein be­hin­der­ten­ge­rech­tes Bad für das äl­tes­te Kind kann sie aber nicht al­lein stem­men

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Das Wohnzimmer hat die Familie schon gemütlich hergerichtet. Die Fenster haben die Kinder bemalt und geschmückt.

Von Nicole Ernst

Ein neues Zuhause – das war im vergangenen Jahr der größte Weihnachtswunsch einer achtköpfigen Familie aus dem Landkreis Regen. Manuela F. (Name von der Redaktion geändert) und ihr Mann mussten mit den sechs Kindern aus ihrem Miethaus raus, eine neue Bleibe war nicht in Sicht (wir berichteten). Ziemlich genau ein Jahr nach dem ersten Gespräch unserer Mediengruppe mit Manuela F. sitzt die 41-Jährige mit ihren beiden jüngsten Kindern an einem großen Esszimmertisch – im neuen Zuhause der Familie. Hier haben sie bereits einiges renoviert, es gibt aber immer noch viel zu tun.

Die beiden kleinen Mädchen, ein und zwei Jahre sind sie alt, kritzeln begeistert Schneemänner und Striche auf die Glasplatte, mit der der Holztisch abgedeckt ist. „Das ist praktisch zum Malen und der Tisch wird geschont“, sagt die Mutter, während sie den Töchtern bei ihren Kunstwerken hilft. Auch die Fenster haben die Kinder verziert. Mit einem Nikolaus, Sternen und dem Krampus wie die Zweijährige ganz stolz erzählt. Daneben hängen Weihnachtssterne und Nikolausstrümpfe. Auf der Kommode steht ein großes, selbst gebasteltes Adventsgesteck mit vier rosafarbenen Kerzen. Gemütlich ist es im neuen Wohnzimmer – aber der Weg dahin war nicht einfach. „Es hat doch eine Weile gedauert, bis wir etwas gefunden haben. Bauen kam nicht in Frage, das ist viel zu teuer. Eine Mietwohnung oder ein Miethaus für acht Leute haben wir auch nicht gefunden.“ Daher beschloss das Ehepaar, ein Haus zu kaufen – zu einem einigermaßen erschwinglichen Preis. Lange haben Manuela F. und ihr Mann gesucht. Glücklicherweise konnte die Familie noch ein paar Monate in ihrem alten Haus bleiben. Schließlich hat sich eine Frau bei ihnen gemeldet, die ihr Haus zum Verkauf anbot. „Dank euch hat sich die Frau bei uns gerührt. Sie hat den letzten Bericht über uns in der Zeitung gelesen“, sagt die 41-Jährige und lächelt.

Mutter hat einen Tag vor dem Umzug einen Unfall

Im Juni konnte die Familie in ihr neues Heim ziehen. „Das Haus war ein Glücksfall. Es liegt zentral und ist groß genug“, freut sich die Sechsfachmama. „Der Umzug war allerdings Stress pur“, erinnert sie sich und seufzt. Einen Tag vor dem Umzug hatte die 41-Jährige noch einen Unfall. Sie wurde am Arm verletzt und musste im Krankenhaus behandelt werden. Das Auto hatte Totalschaden. Am Tag des Umzugs standen dann nur drei Helfer vor der Tür – angekündigt hatten sich eigentlich viel mehr. „Wir haben es dann trotzdem irgendwie geschafft.“

Im neuen Haus ging die Arbeit aber erst richtig los und die Familie hauste mehr oder weniger auf einer Baustelle. Im Wohnzimmer musste eine Wand weggerissen werden, um mehr Platz zu schaffen. „Das hat mein Mann gemacht. Den Rest hat er neu verputzt. Und ich hab vorher mit den Kindern die ganzen Tapeten runtergekratzt. Das waren gleich mehrere Schichten“, erzählt die 41-Jährige. Sie versucht ihren Mann, der den ganzen Tag über in der Arbeit ist, möglichst viel zu unterstützen. „Was ich irgendwie machen kann, das mach ich.“ Alle haben mit angepackt, so dass schließlich ein großer Raum entstanden ist, in dem der Esstisch und ein gemütliches Sofa stehen. Auch das Spielzeug der Kinder hat hier Platz, wie etwas der blau-weiße Kaufladen aus Holz, auf den die Zweijährige ganz stolz ist.

Auch die Schlafräume hat die Familie in Eigenregie renoviert. Die beiden ältesten Kinder, sie sind 15 und 13 Jahre alt, haben jeweils ihr eigenes Zimmer. Der Vierjährige und der Neunjährige teilen sich ein Zimmer und die beiden Jüngsten sind im großen Schlafzimmer der Eltern mit untergebracht. „Aber da könnte man später eine Zwischenwand einziehen.

Dach und Fenster müssen erneuert werden

Die Familie hat bereits viel geschafft – ein Ende ist aber trotzdem noch nicht in Sicht. Vor Kurzem wurde die Heizung erneuert, jetzt tut sich aber bereits eine weitere Baustelle auf. „Wir haben festgestellt, dass das Dach undicht ist. Es muss dringend erneuert werden.“ Die alten Holzfenster klemmen und es zieht rein.

Auch die Bäder haben ihre beste Zeit schon hinter sich, wie bei einem Rundgang durchs Haus deutlich wird. Die Tapete und das dunkle Parkett im oberen Bad sind abgenutzt und „für ein Badezimmer total unpraktisch“. Dusche und Badewanne sind veraltet. Aber dieses Bad im Obergeschoss ist Manuela F. gar nicht so wichtig. „Hauptsache wir können es benutzen. Irgendwann renovieren wir es dann schon.“

Das Bad ist veraltet, die Wanne viel zu hoch

Am Herzen liegt ihr vielmehr das Bad im Untergeschoss, dass von den älteren Kindern genutzt wird. „Hier bräuchten wird dringend eine begehbare Dusche für unseren Ältesten“, sagt die Mutter und deutet auf die alte grüne Badewanne. Diese ist für den 15-Jährigen, der an einem Gendefekt leidet, viel zu hoch. Wegen seiner Behinderung ist der Jugendliche auf dem Entwicklungsstand eines Kleinkindes und auch motorisch stark eingeschränkt. „Momentan duscht er im oberen Bad. Aber dafür braucht er auch meine Hilfe, weil der Einstieg so hoch ist“, schildert Manuela F. das Dilemma. Außerdem müssten die Anschlüsse im unteren Bad dringend erneuert werden. „In dem Bad stinkt es immer. Das kommt von den veralteten Rohren. Und da hilft auch das ganze Lüften und Putzen nichts.“

Bei der Erneuerung des Bads stößt die Familie, die so viel wie möglich selber machen möchte, an ihre Grenzen. „Da brauchen wir Hilfe und das kostet dann natürlich.“ Große finanzielle Sprünge sind nach dem Kauf des Hauses aber nicht mehr drin. Auch die Kosten für die Autoreparatur mussten sie nach dem Unfall zum Teil selber stemmen. In der Zwischenzeit war zudem eine weitere Autoreparatur notwendig. Und dann steht da auch noch der ein oder andere Weihnachtswunsch auf dem Brief ans Christkind.

„Putzwagerl“ auf dem Wunschzettel

Ein „Putzwagerl“ und einen Staubsauger soll das Christkind für die Zweijährige unter den Baum legen. „Da redet sie schon die ganze Zeit davon. Dann kann sie mir immer helfen“, sagt Manuela F. und streichelt der Kleinen lächelnd übers Haar. Einen etwas größeren Wunsch hat einer ihrer Söhne: Er möchte unbedingt ein Hoverboard. „Ein neues ist leider viel zu teuer. Aber vielleicht gibt es ein gebrauchtes günstig zu kaufen“, hofft die Sechsfachmama. Aber ganz egal, was unterm Christbaum liegt: Die Familie freut sich vor allem, dass alle zusammen das erste Weihnachtsfest im neuen Zuhause feiern.

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Das Bad der Buben ist veraltet. Außerdem ist die Wanne für den 15-jährigen behinderten Sohn zu hoch. Fotos: Nicole Ernst