Damit Kin­derau­gen wie­der leuch­ten

Re­gens­bur­ger Ve­rein Traum­zeit er­füllt Krebs­kran­ken Wün­sche

Von Urte Scheubeck

Regensburg. Ein Mädchen im Rollstuhl. Es ist schwer an Krebs krank. Es fehlt an Kraft selbst zu laufen. Eigentlich ein trauriger Fall, gäbe es da nicht den Regensburger Verein Traumzeit. Er kümmert sich seit fünf Jahren um Kinder, denen die Zuversicht fehlt, die Energie für eine glückliche Zukunft. Einmal im Monat zaubert der Verein Krebskranken ein Lächeln ins Gesicht. Er erfüllt Wünsche und Träume. Das wirkt manchmal Wunder: Beim nächsten Krankenhaus blieb der Rollstuhl im Auto. Das Mädchen wollte selbst laufen.

„Die Erfüllung eines Herzenswunsches löst im Körper etwas aus“, erklärt Nadine Guggenberger, Vorsitzende des Vereins. Aktuell betreut sie mit ihren Mitstreitern 90 vom Schicksal getroffene Familien aus Ostbayern. Guggenberger war selbst einmal in ihrer Lage und möchte nun etwas weitergeben. „Ich weiß, wie es ist und ich weiß wie sehr das hilft, wenn Wünsche erfüllt werden“, sagt sie. Deshalb sammelt der Verein Spenden, die 1:1 ganz unbürokratisch in Herzenswünsche umgewandelt werden.

„Wir versuchen mit unseren Familien jedes Jahr in den Europapark zu fahren“, sagt Nadine Guggenberger. Dort hat der Verein das Maskottchen des Parks, die Euro-Maus, für alle Kinder geschenkt bekommen. „Einige Familien haben im Nachhinein berichtet, das die Euro-Maus bei ihren Kindern in die Schultasche gewechselt ist und das Kind täglich als Mutmacher und Kraftquelle in die Schule begleitet“, sagt sie. Und genau das ist es, was Traumzeit ausmacht: „Und wenn es nur einem einzigen Kind hilft, dann hat sich der Aufwand gelohnt“, sagt die Vorsitzende. Die Kosten für einen Bus voller Kinder und Eltern, Unterkunft, Eintrittsgeldern liegen geschätzt bei rund 15 000 Euro bis 18 000. „Es gibt bei diesem Ausflug zwar eine geringe Eigenbeteiligung, aber wenn es sich eine Familie nicht leisten kann, dann darf sie trotzdem mitfahren“, sagt Nadine Guggenberger.

Was gibt es noch für Wünsche? Seit langem wünschen sich die Kinder einmal nach Hamburg zu fahren, um Schiffe anzuschauen, das Meer zu sehen und eines der Musicals zu besuchen. Die Jungs wollen „König der Löwen" sehen, die Mädchen die „Die Eiskönigin". „Wir hatten mal angedacht, das jetzt im Jubiläumsjahr zu realisieren, aber dann kam Corona und der Einbruch der Spenden, so dass wir das jetzt erstmal vertagt haben“, sagt Nadine Gugenberger. Einen Herzenswunsch hat auch Sebastian. Er möchte durch Traumzeit einmal einen Zoo besuchen.

„Unser größer Erfolg war, dass wir es geschafft haben, über das Management einen Besuch bei DJ Bobo zu ermöglichen“, sagt Guggenberger. Aber auch banale Wünsche sind den Traumzeitlern ganz wichtig, etwa ein Friseurbesuch für Emily, die sich selbst am Haare färben versucht hatte. Gleichwohl gibt es aber auch Rückschläge. „Ein Besuch bei einem Formel1-Rennfahrer war bereits rundum organisiert, aber das Mädchen wurde so krank, dass es nicht mehr an die Rennstrecke reisen konnte.“

Corona hat Traumzeit stark getroffen. „Die Spenden sind wie bei vielen caritativen Vereinen zurückgegangen und wir haben auch Familien, die wir seit Corona-Beginn nicht gesehen haben“, sagt Nadine Guggenberger. Während der Lockdowns packte der Verein Versorgungspakete: acht mal 90 Päckchen zu verschiedenen Themen. Zu Weihnachten soll jedes Kind individuelle Geschenke bekommen. „Ganz bodenständige Wünsche wie Lego, DVD, Barbie und Gesellschaftsspiele sind das“, sagt Guggenberger. Überraschenderweise seien auch Kleidung oder Bettwäsche dabei und bei machen Mädchen ein bestimmtes Parfüm oder Schminke, aber nichts Teures.“

Ein zuverlässiger Unterstützer ist das IBIS Styles Hotel mit Geschäftsführer Prodromos Hatzifotiou. „Es macht allen Mitarbeitern viel Spaß, wenn die Kinder mit ihren Elternkommen“, sagt er. Das Hotel stellt Räume und Verpflegung für Zusammenkünfte zur Verfügung. Als Patin steht Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) an der Seite des Vereins.