An­fra­gen aus allen Rich­tun­gen

Nach­bar­schafts­hil­fe in Au in der Hal­ler­tau hilft un­bü­ro­kra­tisch und prak­tisch

nbh_211102-01.jpg

Inge Kroiß (links) und Elke Raulf stellten die Nachbarschaftshilfe in einem ausführlichen Gespräch vor. Foto: Klaus Kuhn

Von Klaus Kuhn

Au. 20 Jahre jung, zwei ledige Kinder, ziemlich mittellos. Oder: Kein Geld für Heizöl, und das mitten im Winter. Keine Ahnung, wovon die Stromrechnung bezahlt werden soll, und die Androhung der Abschaltung im Haus. Grundschülerin fast ohne Deutsch-Kenntnisse, dafür mit Eltern, die ihr dabei auch nicht helfen können. Alles das sind Fälle für die Nachbarschaftshilfe in Au in der Hallertau.

Kaum zu glauben, was Elke Raulf, Inge Kroiß, Gertraud Hadersdorfer, Inge Michel, Resi Ebensberger und Fred Hagl da auf die Beine stellen. Mehr Personen sind es nämlich aktuell nicht, die die Nachbarschaftshilfe Au am Laufen halten. Elke Raulf, die zusammen mit Inge Kroiß die vielen Aktivitäten im Gespräch mit der Mediengruppe gewissermaßen noch einmal laut in Erinnerung ruft, stellt dennoch fest: „Wir haben einiges bewegt.“

Es war ein Schicksalsschlag, der die Damen zusammen geführt hat. Inge Kroiß jedenfalls erinnert sich: „Als mein Mann gestorben ist, habe ich gedacht: Jetzt muss ich irgendetwas tun.“ Das ist jetzt auch schon wieder rund 14 Jahre her.

Datenschutz tut not
Bei der Nachbarschaftshilfe gilt immer noch der „Buschfunk“ in Au, der wohl noch recht gut funktioniert, weil die überschaubare Marktgemeinde im Norden des Landkreises Freising eben noch nicht so anonym ist wie eine Großstadt: „Die haben mitbekommen, wenn irgendwo ein Haushalt aufgelöst werden musste.“ Nur auf diesem Weg war es möglich, besagter 20-Jähriger praktisch einen ganzen Hausstand zur Verfügung zu stellen. Aber: Datenschutz tut not. „Wir halten das wirklich unter der Decke“, betonte Elke Raulf zu den jeweiligen Schicksalen. Allerdings mussten die beiden Damen auch die Erfahrung machen, dass der Datenschutz auch hinderlich sein kann, wenn man helfen möchte. Schulen und andere Institutionen dürfen eben solche hochsensiblen Daten nicht heraus geben. Das ist eine Erfahrung, die die Nachbarschaftshilfe Au mit anderen privaten Initiativen gemeinsam hat. Aber die Anfragen genau solcher Institutionen seien eben da, etwa von der Schule. Hausaufgabenbetreuung musste hier in einem Fall sein. Da gab es „vor Corona“ auch Gruppen im evangelischen Gemeindezentrum. „Das war wie Flöhe hüten“, erinnert sich Elke Raulf.

Hilfe beim Einkaufen ist ein anderes Beispiel für eine Aktion der Nachbarschaftshilfe, die Beziehungen über Monate oder gar Jahre aufbaut. Oder man fährt nach Nandlstadt ins Hallenbad, damit Kindern dort das Schwimmen beigebracht wird. Eine weitere Anfrage der Schule ist da, weil ein Kind Unterstützung bei der Beschaffung von Schulbedarf hat.

Vertrauen erarbeitet
Den Aktiven geht es immer wieder so, dass sie kleinere Geldbeträge zugesteckt bekommen. Das zeugt von einem Vertrauen, das sie sich über all die Jahre erarbeitet haben. „Hier, das muss ich noch einzahlen!“ Und damit zauberte Elke Raulf einen 20-Euro-Schein aus der Handyhülle.

„Wir sind eine Gruppe, kein Verein“, sagte Inge Kroiß und begründete das mit dem bürokratischen Aufwand, der damit verbunden ist. Daraus folgt aber zwingend, dass die Nachbarschaftshilfe bei allem, was sie Gutes tut, keine Spendenquittungen ausstellen darf. Dass die Nachbarschaftshilfe in der Auer Senioreneinrichtung auch noch zu Weihnachten kleine Geschenke verteilt und damit ohne Rücksicht auf den sozialen Stand der Bewohner Freude schenkt, wollten die beiden Sprecherinnen ebenfalls nicht unerwähnt lassen.

Hel­fer drin­gend ge­sucht

Die Nachbarschaftshilfe ist dringend auf der Suche nach personeller Verstärkung. „Wir werden auch nicht jünger“, meinte Inge Kroiß in dem Gespräch, und so verbanden die beiden das mit dem Aufruf: „Wer mitmachen möchte, ist herzlich willkommen.“
Die Aufgaben sind vielfältig, und es kommt, das machten die zwei ganz deutlich, immer wieder auch sehr viel Dankbarkeit zurück. Ein Auto für verschiedene Fahrdienste wäre großartig. Und wenn dann auch noch eine Anhängerkupplung dran ist und ein Anhänger dabei für die genannten Haushaltsauflösungen, dann wäre das eine großartige Sache. Aber in jedem Fall werden Mitmacher gesucht.
Wer sich angesprochen fühlt darf Elke Raulf unter der E-Mail Ehraulf_at_t-online.de jederzeit kontaktieren. (kk)

Patin ist Elke Raulf, hier die Kontoverbindung für die Spende
"die Nummer des Spendenkontos der Nachbarschaftshilfe Au „Miteinander Hand in Hand“ ist: IBAN DE47 7016 9693 0040 1518 90."