Ein Bett, Klei­dung und ein neues Zu­hau­se

Fa­mi­lie mit sechs Kin­dern braucht Hilfe – Einer der Söhne lei­det an einem Gen­de­fekt

Von Nicole Ernst

Viechtach. Neue Kleidung für die Kinder, ein Bett für den Drittältesten und vielleicht einen Schrank für den Großen. Das zählt Manuela F. (Name geändert) spontan auf, wenn man sie nach ihren Wünschen fragt. Die 40-Jährige sitzt an einem großen Esszimmertisch und erzählt von ihrer Situation.

Mit ihrem Mann und den sechs Kindern wohnt sie in einem Mietshaus im Landkreis Regen. Im Januar soll die Familie ausziehen, eine andere Bleibe ist aber noch nicht in Sicht. „Ein neues Zuhause für uns alle, das wäre natürlich das schönste Geschenk“, sagt Manuela F. und seufzt. Aber ein geeignetes Haus zu einem erschwinglichen Mietpreis zu finden, ist nicht so einfach.

Obwohl ihr Mann Vollzeit arbeitet, reicht das Geld meistens nur für das Nötigste. Manuela F. ist zuhause bei den Kindern. Das Jüngste ist gerade mal zwei Monate alt, das Zweitjüngste eineinhalb Jahre. Die beiden brauchen ihre ganze Aufmerksamkeit. Nebenbei noch arbeiten gehen, das ist momentan nicht möglich. Auch der älteste Sohn – er ist 14 – braucht jede Menge Zuwendung. „Er hat einen Gendefekt und ist ungefähr auf dem Stand eines Kleinkindes“, erklärt sie. Tagsüber besucht der Junge die Christophorus-Schule in Schweinhütt, aber wenn er daheim ist, braucht er eine Rundumbetreuung. Mit ihm und dem zweitältesten Sohn, er leidet an einer psychischen Erkrankung, ist Manuela F. oft unterwegs zu Arztterminen und Therapien. Das kostet Zeit und die Fahrkosten gehen ins Geld.

„Dann ist da ganz schön was los“

Beklagen möchte sich Manuela F. aber trotzdem nicht. Sie genießt vormittags die Zeit mit ihren beiden Kleinen, wie sie erzählt, freut sich aber auch, wenn ab Mittag wieder alle daheim eintrudeln. „Dann ist da ganz schön was los“, sagt sie und lacht. Manuela F. kümmert sich, während ihr Mann in der Arbeit ist, allein um die sechs Kinder, managt den Haushalt, organisiert Fahrten. Damit wäre sie eigentlich mehr als genug ausgelastet. Aber die 40-Jährige versorgt nebenbei auch noch ihre Schwiegermutter, bringt ihr Essen vorbei und unterstützt sie im Haushalt.

Zeit zum Durchschnaufen bleibt da kaum, denn eine Oma oder Tante, die ihr unter die Arme greifen könnte, gibt es nicht. „Meine Mutter wohnt zu weit weg und kann nicht Autofahren“, sagt Manuela F. und zuckt mit den Schultern. „Wenn ich wegmuss, dann nehme ich die Kinder einfach mit. Mit den zwei Kleinen geht es ja, aber wenn ich mit allen unterwegs bin, werde ich schon mal schief angeschaut“, erzählt sie. Aber davon lässt sich die Sechsfachmama nicht einschüchtern. Sie ist stolz auf ihre Rasselbande. „Letztes Jahr hat unser Großer Radfahren gelernt und wir alle haben uns mit ihm gefreut.“ Für den 14-Jährigen, der aufgrund seines Gendefekts auch gehbehindert ist, war das ein großer Entwicklungsschritt. Für ihren Ältesten wünscht sich Manuela F. ein neues Bett und einen Schrank. Auch Kleidung wäre schön. Ein neues Bett bräuchte auch der Drittjüngste. Er wird bald vier und schläft immer noch in einem Kinderbettchen. „Das haben wir bereits vor Jahren für die älteren Kinder gebraucht gekauft.“

Den ein oder anderen Wunsch erfüllen

Auch den ein oder anderen Weihnachtswunsch würde Manuela F. ihren Kindern gern erfüllen. Aber ein Legolaster, den sich einer ihrer Buben wünscht, ist für die Familie kaum erschwinglich. Auch eine Playstation oder Ähnliches gibt es im Haus der Familie F. nicht.

Schwierig war es im Frühjahr beim Homeschooling. „Wir haben keinen Computer, so dass die Lehrer uns die Unterlagen teilweise zuschicken mussten“, erzählt Manuela F. und seufzt.

Was der 40-Jährigen und ihrem Mann zur Zeit aber wirklich Sorgen bereitet ist die Wohnsituation. Ihr Vermieter hat ihnen gekündigt und seit Monaten sucht das Paar nach einer neuen Bleibe. „Mit sechs Kindern ist das nicht so einfach.“ Im Januar soll die Familie ausziehen und bisher haben sie noch nichts Neues in Aussicht. „Es ist zermürbend, wenn man nicht weiß, wie es weitergeht.“

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Trotz aller Sorgen möchte Manuela F. ihren Kindern ein schönes Weihnachtsfest bereiten und sie mit Geschenken überraschen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa