Die Ret­ter mit der nas­sen Nase

Hun­destaf­fel des BRK in Kel­heim braucht drin­gend Ein­satz­fahr­zeug – Ak­tu­ell neun Teams

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Eine schlagkräftige Truppe sind die Zwei- und Vierbeiner der Rettungshundestaffel in Kelheim. Foto: Christine Schuster/BRK

Von Ellen Kellerer

Kurzfristig verhindert war Christine Schuster beim vereinbarten Team mit der Heimatzeitung, denn just an diesem Abend hatte sie zusammen mit ihren Kollegen von der Rettungshundestaffel des BRK Kelheim ihre 18. Alarmierung in diesem Jahr: Die Kollegen aus Regensburg baten die Kelheimer um Unterstützung bei einer Personensuche – zum Glück konnte diese gefunden werden, noch als die Kelheimer auf der Anreise waren.

Wie wichtig die Teams aus Zwei- und Vierbeinern sind, die unermüdlich ehrenamtlich ihre Arbeit in die Dienste des BRK Kelheim stellen, zeigt nicht nur diese kleine, aktuelle Anekdote. Elf Hunde und ihre Führer versehen aktuell als geprüfte Teams ihren Dienst bei der Rettungshundestaffel in Kelheim, die restlichen fünf Teams befinden sich mit den Hunden noch in Ausbildung, doch eines fehlt noch: „Wir bräuchten dringend einen Einsatzwagen“, so Christine Schuster, Kreisfachdienstleiterin der BRK Rettungshundestaffel Kelheim.

Auch, wenn im Moment der Trainingsbetrieb aufgrund der Corona-Situation eingestellt ist, sind die Teams aus Hund und Mann/Frau weiterhin 24 Stunden einsatzbereit. Für die Rettungshundestaffel ist es nichts Ungewöhnliches, spät abends oder nachts auszurücken - ohne Rücksicht auf Wetter oder Jahreszeit. „Menschen werden eben nicht nur an Schönwettertagen vermisst“, so Christine Schuster, die selbst mit ihren Hunden „Whoopi“ und „Maja“ ein geprüftes Rettungshundeteam für „Fläche und Trümmer“ mit beiden Hunden stellt.

Die Einsatzbereiche für die Teams sind unterschiedlich: Es gibt aktuell acht „Flächenteams“, die vermisste Menschen suchen: Wenn beispielsweise aus einem Alten- und Pflegeheim oder einer ähnlichen Einrichtung Personen abgängig sind, die nicht mehr zurückfinden, weil sie dement sind; solche, die sich mit Suizidabsichten verabschiedet haben, oder Menschen, die sich einfach beim Pilzesuchen verlaufen haben oder die unterwegs ein gesundheitliches Problem bekommen haben.

„Mit unseren Flächenhunden können wir zusätzlich zum Helikopter, der offene Flächen bei gutem Flugwetter abdecken kann, bewachsenes Gelände oder Wald absuchen. Die frei in einer zugewiesenen Fläche stöbernden Hunde sind mit ihrer enormen Nasenleistung hierfür ein adäquates, schnelles und effektives Einsatzmittel“, so Christine Schuster. Zusammen mit einem Hundeführer und mindestens einem Helfer wird im Einsatzfall ein zugewiesenes Suchgebiet mit entsprechender Einsatztaktik so abgearbeitet, dass man dieses am Ende „freigeben“ kann, sprich mit ziemlicher Sicherheit sagen kann, dass sich im Moment der Suche kein Mensch darin aufgehalten hat.

Starten Einsätze im bewohnten Gebiet – etwa an einer Pflegeeinrichtung, weil der oder die Vermisste dort zuletzt gesichtet wurde – kommt das Personenspürhundeteam (Mantrailer) zum Einsatz. Im Gegensatz zu den Flächenhunden, die nach jedem menschlichen Geruch im Suchgebiet stöbern, bekommt der Personenspürhund einen entsprechenden Geruchsstoff der vermissten Person zum „Anriechen“. Er arbeitet angeleint mit seinem Hundeführer die zurückgelegte, frischeste Spur des Vermissten aus.

„Bei uns liegt große Verantwortung, jeder Einsatz ist mit Hoffnung verknüpft – daher ist unser aufwendiges Ehrenamt mehr als ein Hobby, bei dem der Hund bespaßt wird“, stellt Christine Schuster klar. Zwei bis drei Jahre dauert die Ausbildung bis zum fertigen Team. Mit dem Ablegen der Rettungshundeprüfung in der entsprechenden Sparte - Fläche, Trümmer oder Mantrail - ist man berechtigt, mit dem Hund in den Einsatz zu gehen.

Bis dahin hat man unzählige Trainingsstunden und Lehrgänge hinter sich, hat mit dem Hund einen Eignungstest abgelegt, eine Begleithundeprüfung bestanden und selbst die Sanitätsgrundausbildung abgeschlossen. „Konkret heißt das: Man hat jeden Samstag von 10 bis 17 Uhr im Wald verbracht und jeden Mittwoch von 18 bis 21 Uhr Gehorsam und fachspezifische Themen wie Orientierung, Einsatztaktik, Funken und Ähnliches geübt“, erklärt Christine Schuster die Ausbildung weiter.

Und für jedes fertige Team heißt es dann alle zwei Jahre: Wiederholungsprüfung, um dem hohen Qualitätsstandard der Hilfsorangisationen zu genügen. „Ja, man muss durchaus etwas verrückt sein, wenn man so viel Zeit, Energie und auch Geld - und nicht weniges an Einsatzausrüstung muss der Hundeführer aus eigener Tasche bezahlen - in ein Ehrenamt steckt“, betont Christine Schuster sichtlich stolz auf ihr schlagkräftiges Team aus den Rettungshunden und „ihren“ Menschen, das seit 1. Mai den Kreisverband Kelheim als SEG (Schnelle Einsatzgruppe) bei Vermisstensuchen im Kreisverband und darüber hinaus im gesamten Bezirksverband Niederbayern/Oberpfalz unterstützt. Die Hundeführer sind zudem ehrenamtlich bei Sanitätsdiensten und Einsätzen im Katastrophenschutz unterwegs, ihre komplette Arbeit ist dokumentiert auf der Homepage www.rhs.brk-kelheim.de.