„Wir müs­sen erst ler­nen, wie­der zu leben“

Landkreis. „Wir müssen erst lernen, wieder zu leben“, sagt Gabriele Stacha. Fast vier Monate ist es her, seit sie und ihr Mann Dieter, ihren Sohn Christian verloren haben. 21 Jahre lang kämpften die Eltern mit Christian gegen dessen Krebskrankheit. Was von diesem Kampf übrig bleibt, sind Trauer und Schmerz – und ein Schuldenberg von 150 000 Euro. „Am schlimmsten ist aber, dass unser Kind nicht mehr da ist“, sagt Dieter Stacha.

Vor allem jetzt, kurz vor Weihnachten, ist es für Gabriele Stacha schwer zu ertragen. Sie erinnert sich noch gut daran, dass ihr Christian den letzten Weihnachtsbaum mit dem Auto selbst beim Christbaumverkäufer abgeholt hat – in diesem Jahr möchte sie deshalb keinen Christbaum. Und auch kein Weihnachten.

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BU: 21 Jahre lang kämpfte Familie Stacha gegen die Astrozytomkrebs-Erkrankung von Sohn Christian, Foto: Thomas Gärtner

Nicht der Krebs kostete ihn das Leben

Dass ihr erst 36-jähriger Sohn vor ihnen gehen würde, damit haben Gabriele und Dieter Stacha nie gerechnet. „Wer denkt denn auch an so etwas“, meint Dieter Stacha.

Nachdem die Therapie zuletzt sehr gut angeschlagen hatte, habe man Hoffnung geschöpft, eine OP, die eigentlich nichts mit dem Krebs zu tun hatte, machte dann aber alles zunichte: Durch das Sitzen und Liegen hatte sich an Christians Rücken ein Dekubitus entwickelt, der operiert werden musste, um einer Blutvergiftung vorzubeugen – dabei erlitt er eine Lungenembolie und einen Schlaganfall. „Sein Körper war durch den Krebs und die vielen Behandlungen zu geschwächt“, sagt Dieter Stacha. Der Sohn schlief kurze Zeit später in den Armen seiner Eltern ein. „Ich habe zu ihm gesagt, dass er jetzt an einen Ort geht, wo es ihm besser geht“, erinnert sich seine Mutter Gabriele.

Als Christian 15 Jahre alt war, wurde das erste mal Krebs diagnostiziert. „Er kam vom Schwimmen nach Hause und sagte zu mir, dass er kein Gefühl mehr im Fuß hätte“, erzählt sein Vater Dieter. Kurz darauf wurde ein Tumor im Rückenbereich entdeckt. Damals fuhr die Familie Stacha zur Behandlung nach Belgien, wo Christian eine spezielle onkologische Immuntherapie erhielt. Diese wirkte: Zehn Jahre lang war Christian krebsfrei.

Im Jahr 2014 kam der Krebs zurück

Bei einer Kontrolluntersuchung im Jahr 2014 kam dann der Schock: Erneut wurden Tumore im Gehirn und im Rücken festgestellt. „Der Arzt, der Christian damals in Belgien behandelt hatte, arbeitete mittlerweile in Köln“, erzählt Gabriele Stacha. Alle vier Wochen ging es deshalb für ein paar Tage in die Stadt am Rhein, wo Christian seine Behandlung bekam.

Zunächst hatten sich die Stachas noch ein Hotel genommen, später fuhren sie – um Kosten einzusparen – mit dem Wohnanhänger.

Von der Krankenkasse genehmigt war diese Krebstherapie, trotz deutlichen Erfolges, nämlich nicht. Pro Spritze mussten die Stachas 6 500 Euro aus eigener Tasche zahlen. „Wir haben alles, was wir für Christian gespart haben, Bausparverträge und so weiter, aufgelöst und für die Therapie verwendet“, erzählt Gabriele Stacha. „Aber auch aus Hohenthann haben wir viel Unterstützung erhalten. Dafür möchten wir uns bedanken“, erklärt Dieter Stacha. Eine Belastung sei der Schuldenberg trotzdem. „Natürlich müssen wir uns einschränken“, sagt Dieter Stacha. Gleichzeitig sei es aber auch wichtig, jetzt an sich zu denken, für Ablenkung zu sorgen, um nicht am Verlust des Kindes zu zerbrechen.

Das erste Weihnachtsfest ohne ihren Sohn

Über Jahre hinweg seien sie „ein Team“ gewesen, erzählt Dieter Stacha, sie seien in den Urlaub und zum einkaufen gefahren, hätten die Klinikaufenthalte durchgestanden. Gabriele und Dieter Stacha haben sich mittlerweile psychologische Hilfe gesucht, um den Verlust zu bewältigen. Auch zu einer Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern geht das Ehepaar regelmäßig.

„Trotzdem, wenn ich nachts im Bett liege, bilde ich mir oft ein, seine Stimme zu hören“, sagt Gabriele Stacha. Über Weihnachten möchte das Ehepaar wegfahren – um sich neu zu sortieren. Und das erste Weihnachten ohne Christian zu überstehen.