Wie ein zwei­tes Zu­hau­se

Pro­jekt Koch­löf­fel­treff: Kin­der aller Ge­sell­schafts­schich­ten ko­chen und ba­cken ge­mein­sam

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Von Milena Gassner

Vilsbiburg.  Kochen, Backen und Basteln mit wenigen Mitteln – das können Kinder im Kochlöffeltreff erleben. Ziel ist es, dass Kinder aller Gesellschaftsschichten an den gemeinsamen Aktionen teilhaben. „Es geht darum, dass Kinder, die nicht in einem Sportverein oder ähnlichem sind, selbstverständlich am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Das bedeutet, der Blick fällt auch auf Kinder aus dem Themenbereich Inklusion“, erklärt der evangelische Pfarrer Michael Lenk, der den Kochlöffeltreff am Laufen hält.

Im Kochlöffeltreff wird nicht nur gekocht. Es werden einfache Gerichte zubereitet, die die Kinder Zuhause leicht nachkochen können. Tischkultur und gegenseitiges Bedienen gehören ebenso dazu wie Spül-, Wisch- oder Mülldienst. Während dem Kochen ist auch viel Zeit zum Ratschen. Sowohl zwischen den Kindern als auch zwischen den Erwachsenen und den Kindern seien Freundschaften durch den Treff entstanden: „Die Gespräche mit Erwachsenen finden auf einer ganz anderen Ebene statt. Die Kinder öffnen sich uns“, so Leiterin Anja Weigel. Sie habe das Gefühl, der Treff sei für manche Kinder wie ein zweites Zuhause.

Zwei mal im Monat findet der Kochlöffeltreff statt. Im Wechsel wird in der Küche in der Mittelschule und im Gemeinschaftssaal der Christuskirche gekocht. Zu einem Treffen kommen etwa zehn Kinder im Alter zwischen acht und 14 Jahren. „Wir haben zwar einen Pool von rund 30 Kindern, aber zu einem Treffen können leider nicht mehr Leute kommen“, sagt Weigel. Der Platz an den Arbeitsflächen und Öfen sei begrenzt. Zudem brauche es für jede Kleingruppe, in denen die Kinder kochen, einen ehrenamtlichen Helfer, der die Gruppe betreut. „Alle ehrenamtlichen Helfer, die wir haben, sind bei jedem Treff im Einsatz.“ Daher muss Anja Weigel vor jedem Treff Kinder auswählen, die teilnehmen dürfen.

Bei jedem Kochlöffeltreff sollten die Kinder einen Beitrag in Höhe von einem Euro bezahlen. „Das ist nur ein Vorschlag. Wenn es bei einer Familie gerade finanziell nicht passt, zahlen sie halt beim nächsten Mal wieder. Wir kontrollieren das auch nicht“, so Weigel. Durch den Beitrag solle bei den Kindern jedoch eine gewisse Wertschätzung hervorgehoben werden.

 

„Wie ein kleines Wunder“
Bei den Kochlöffeltreffs ist es laut Weigel „schön zu beobachten, wie die Kinder miteinander umgehen, wie toll sie miteinander klarkommen und wie sehr unterschiedliche Kinder miteinander harmonieren.“ Gemeinsam Essen vorbereiten sei sehr hilfreich für die Kinder. „Viele sind es von Zuhause nicht gewohnt“, sagt Lenk. „Bei den Kochlöffeltreffs erleben die Kinder etwas, was sie sonst nicht erleben würden“, sagt er.

Nach all den Jahren faszinieren ihn zwei Dinge: „Das Armutsprojekt, als das es einst geplant war, ist der Kochlöffeltreff keineswegs. Auch Kinder aus Familien mit normalen Einkommensverhältnissen kommen. Und: der Erfolg, das Eigentliche, stellt sich von selber ein.“

Der Kochlöffeltreff unternimmt auch Ausflüge, jedoch eher selten, da diese über das Budget hinaus gingen. „Mein großer Wunsch wäre ein Ausflug in das Freilichtmuseum nach Massing. Da könnten wir an einer Brotbackaktion teilnehmen“, sagt Weigel. Gerade solche Ausflüge seien für Kinder enorm wichtig. „Es gibt Kinder, die haben noch nie einen Tierpark oder ein Theater von innen gesehen.“ Durch solche Ausflüge weite sich der Horizont der Kinder. „Auf Ausflügen erlebt man die Kinder noch mal ganz anders“, sagt Weigel.

Das Projekt Kochlöffeltreff gibt es seit sieben Jahren und ist eine Aktion des Diakonischen Werks und der evangelischen Kirchengemeinde Vilsbiburg. In diesem Jahr hat Anja Weigel die Leitung des Projekts übernommen. Mithilfe ehrenamtlicher Mitarbeiter organisiert sie die Treffs.