Schmerz­pa­ti­ent kämpft um seine Exis­tenz

51-Jäh­ri­ger ist auf­grund einer Er­kran­kung ar­beits­un­fä­hig – Von Er­spar­nis­sen ge­lebt

Waldmünchen. (ab) Uli K. (Name von der Redaktion geändert) aus dem Altlandkreis Waldmünchen war ein aktiver junger Mann, der seinen Beruf liebte und von einer eigenen Familie träumte. Doch 2001 geriet sein Leben aus den Fugen: Der damals 33-Jährige bekam von einem Tag auf den anderen heftige Rückenschmerzen. Seitdem ist der mittlerweile 51-Jährige Schmerzpatient. Er war häufig arbeitsunfähig. Schlafstörungen verschlimmertem die fürchterlichen Schmerzen und es kam noch eine Depression hinzu.


Dennoch versuchte Uli K. alles, die Schmerzen in Griff zu bekommen und gesund zu werden. Seit 2001 probierte er verschiedene Therapien aus, jedoch ohne Erfolg. „Als so genannter Schmerzpatient bist du ein armer Hund. Keiner glaubt dir und du läufst von einem Doktor zum anderen“, erzählt Uli K. Schließlich fand er doch einen Allgemeinarzt, der ihn ernst nahm, ihm schmerzlindernde Medikamente, unter anderem Morphin-Pflaster, verordnete und ihn krankschrieb. Ein Jahr lang bezog Uli K. Krankengeld, anschließend knapp 15 Monate Arbeitslosengeld. Das ist längst ausgelaufen. Seitdem ist der gelernte Landmaschinenmechaniker arbeitslos und ohne Leistungsbezüge. Und das, obwohl ihn sowohl sein Arbeitgeber als auch der behandelnde Arzt als erwerbsunfähig einstuften. Beide rieten Uli K., mit dem Sozialverband VdK Kontakt aufzunehmen.


Hier fand Uli K. Unterstützung, der Sozialverband stellte für ihn Antrag auf Berufs- beziehungsweise Erwerbsminderungsrente. Trotz der drei Gutachten mit Feststellung der starken Einschränkung der psychophysischen Leistungsfähigkeit und eines depressiven Zustands wurde Uli K. nicht als Schmerzpatient anerkannt. Das Sozialgericht Regensburg lehnte seinen Antrag in erster Instanz ab. Das war 2005. Der VdK riet ihm, weiter zu klagen. Doch Uli K. wollte und konnte nicht mehr. Zu groß war die Enttäuschung.


Die Depressionen nahmen zu, ebenso die chronischen Schmerzen. Uli K. hatte nicht mehr die Kraft, weiter zu kämpfen. Er zog sich in sein Elternhaus zurück und lebte von seinen Ersparnissen, dem Geld, das er in jungen Jahren für sich und seine künftige Familie zurückgelegt hatte. Nun, nach 14 Jahren, sind die Rücklagen aufgebracht. Der 51-Jährige ist auf die Unterstützung seiner Eltern angewiesen. Beide haben aber selbst nur eine kleine Rente, die kaum zum Leben reicht.
Seit kurzem sind Vater und Mutter pflegebedürftig und brauchen selbst Hilfe. Ein großes Problem dabei ist, dass Uli K. und seine Eltern in einem kleinen Dorf leben, in dem es keine Einkaufsmöglichkeiten gibt. Sie sind deshalb auf das Auto angewiesen. Doch Uli Ks. elf Jahre alter Kleinwagen ist inzwischen Schrott; für eine Ersatzbeschaffung fehlt dem 51-Jährigen und seinen pflegebedürftigen Eltern das Geld. Seit kurzer Zeit bekommt Uli K. zwar eine laufende Unterstützung vom Jobcenter Cham, doch diese reicht nur fürs Nötigste, ein kleines, gebrauchtes Auto ist da nicht drin.


Die Anerkennung der Grundsicherung wegen Erwerbsminderung hat ihm ein Gutachter der Deutschen Rentenversicherung erneut versagt. Aber dieses Mal will Uli K. kämpfen, denn: „Der Gutachter hat mir nur aufs Knie gehaut und gar nicht weiter untersucht“, sagt er und fügt resigniert hinzu: „Als Schmerzpatient mit Depression ist man wohl verloren. Trotz positiver dritter Gutachten wird man kalt abgewiesen“. Beim Jobcenter in Cham fühlt er sich aber verstanden, auch gut beraten und behandelt. Ein kleiner Lichtblick in seiner schwierigen Lebenssituation.