Neu an­fan­gen, ohne diese Angst

Junge Frau flüch­te­te mit ihrem Baby vor dem ge­walt­tä­ti­gen Ver­lob­ten

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Denise Stark und die kleine Lucy (Namen geändert) wollen nach einem Vorfall von häuslicher Gewalt in Wörth neu anfangen. Foto: Nopper

Wörth a.d. Donau. (nop) Die junge, zierliche Frau, die seit dem Sommer mit einem Kinderwagen in Wörth unterwegs ist, will eigentlich gar keine fremde Hilfe. „Andere haben das vielleicht dringender nötig.“ Aber für den Neuanfang, den sie hier wagen will, wird die Stütze vom Jobcenter kaum reichen.


Sie lebt hier bei ihrer Großmutter und einer Tante, seit sie im Juni vor ihrem gewalttätigen Verlobten aus Mannheim fliehen musste. Nennen wir sie vielleicht Denise Stark, Alter 22, und ihr achtmonatiges Mädchen soll in dieser Geschichte Lucy heißen. Und dann ist da noch er, Dirk, eigentlich ihre große Liebe.


Das Drama beginnt im letzten Winter in Mannheim. „Wir waren verlobt. Er war immer schon leicht reizbar, aber ich hatte gehofft, er würde sich ändern, wenn das Kind da ist.“ Hat er aber nicht. Im Gegenteil. Nur in den ersten paar Wochen nach der Geburt interessierte sich Dirk für die Kleine, aber mehr und mehr ärgert ihn das Geschrei des Säuglings. Zwar misshandelte er zunächst nicht das Kind, dafür zerschlug er Möbel und andere Gegenstände. Offenbar war es aber in seiner Familie üblich, dass Kinder geschlagen werden. Unter anderem sah Denise, wie Dirks dreijährige Schwester misshandelt worden ist. Womöglich ist es auch Dirk als Kind wenig anders ergangen.


Bis kurz vor der Geburt hatte noch Denise das ohnehin knappe Geld verdient, als Verkäuferin in einem Modegeschäft. Im Mutterschutz musste das Jobcenter für die neue „Bedarfsgemeinschaft“ einspringen – und das Geld wurde noch knapper. Dirk arbeitete weiter nicht, nahm stattdessen Drogen.


Als er einmal, an einem Samstag Mitte Juni, kein Geld mehr für Marihuana fand, rastete er aus. Er verprügelte Denise und drohte erstmals, dem Säugling den Schädel einzuschlagen. Die junge Frau flüchtete zu ihrer Mutter, wohin er sie verfolgte und sich von der Polizei einen Platzverweis einfing. Am Tag darauf – die Mutter hatte auf Denise eingeredet, dass man doch miteinander reden sollte – ließ sie sich auf den Versuch ein. „Dummerweise.“ Dirk rastete erneut aus, wieder floh Denise, diesmal in einen Kiosk in der Nachbarschaft. Alle wurden Zeugen, wie der Kindsvater schrie und tobte. Seitdem gilt ein gerichtliches Umgangsverbot.


Und kurz danach kam Denise nach Wörth. Mittellos, nur mit ein paar Klamotten und dem Baby. Keine eigenen Möbel, keine Arbeit, vom Jugendamt und dem Jobcenter abhängig. Alle 14 Tage darf Dirk Lucy besuchen und Denise hat jedesmal Angst davor. Sie habe dem Jugendamt alles geschildert und doch müsse das sein. „Das Sorgerecht habe ich ihm mal eingeräumt und das kann ich leider nicht mehr rückgängig machen. Es muss wohl wirklich erst was passieren, bevor sich was ändert.“
Am liebsten möchte Denise wieder als Verkäuferin arbeiten, gerne hier in Wörth. Aber noch ist das Baby zu klein. Sie hat einen Führerscheinkurs angefangen, weil „ohne Auto kommst du zu keinem Arzt, wenn mal was ist.“ Das Amt zahlt dennoch nichts dazu. Auch eine eigene Wohnung zu finden, sei „für eine Alleinerziehende vom Jobcenter unglaublich schwer. Die wollen dich einfach nicht.“ Schon die Kaution für eine Wohnung würde sie nicht aufbringen können. Aber Denise klagt nicht. „Wir haben ein Dach überm Kopf und genug zu essen. Manchen geht es noch schlechter als uns.“


Mag sein, aber ein kleiner Zuschuss zum Führerschein oder zu einem Kinderzimmer für Lucy, das wäre bestimmt ein sinnvolles Weihnachtsgeschenk. Der Bürgermeister von Wörth, Anton Rothfischer, gewährleistet dies.