Mal­te­ser er­fül­len letz­te Wün­sche

Pro­jekt Her­zens­wunsch-Kran­ken­wa­gen wird aus­schließ­lich durch Spen­den fi­nan­ziert

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Auf dem Weg zum letzten Wunsch. Foto: Malteser

Waldmünchen. (bu) Träume und Wünsche bekommen eine ganz andere Dimension, wenn Menschen wissen, dass sie nicht mehr lange zu leben haben. Dann werden sie echte Herzenswünsche. Einen solchen Herzenswunsch hat auch Hildegard Müller (Name von der Redaktion geändert). Sie ist Mitte 60 und unheilbar krank. Sie leidet an einem Gehirntumor, der seit rund einem Jahr in ihrem Kopf nicht aufhört, zu wachsen. Der Tumor ist inoperabel. Bestrahlungen und Chemotherapie helfen nichts mehr. Müller weiß, dass sie sterben wird.

Aber sie hat einen letzten großen Wunsch: Sie möchte Heiligabend zu Hause verbringen. Ein letztes Mal möchte sie mit ihrer Familie Weihnachten feiern. Dank des Herzenswunsch-Krankenwagens der Malteser geht dieser Wunsch in Erfüllung. Zwei medizinische Fachkräfte des MHD werden Müller am 24. Dezember im Seniorenheim abholen und zu ihrer Tochter bringen.

 

Um Wünsche todkranker Menschen zu erfüllen, haben die Malteser vor einiger Zeit den Herzenswunsch-Krankenwagen ins Leben gerufen. Dieser, ausgestattet und fachlich besetzt wie jeder andere Krankenwagen, bringt sterbende Menschen dorthin, wo sie alleine nicht mehr hinkommen. Seit August steht so ein Herzenswunsch-Krankenwagen auch bei den Rötzer Maltesern; deutschlandweit gibt es rund 20 Standorte. Ihren ersten Einsatz hatten die Rötzer MHDler im September: Hasan, 13 Jahre alt, leidet an einer unheilbaren Muskelerkrankung. Der Bub wird deswegen in der Kinder-Palliativstation Ostbayern in Amberg betreut. Und auch Hasan hatte einen letzten Wunsch, den ihm die Rötzer Malteser mit dem Herzenswunsch-Krankenwagen erfüllt haben: einmal die Bavaria Filmstudios sehen. Immer wieder hatte Hasan seiner Kinderkrankenschwester von seinem Traum erzählt, bis die sich mit dem MHD in Verbindung setzte. Nachdem auch der behandelnde Arzt sein Einverständnis gegeben hatte, holten Christian Bauer und Tobias Heinrich, die beide hauptamtlich als Notfall- beziehungsweise Rettungssanitäter bei den Maltesern arbeiten, Hasan mit dem Herzenswunsch-Krankenwagen in Amberg ab. Mit dabei: Hospizbegleiterin Angelika Huitt und die ehrenamtliche Praktikantin Miriam Ferstl.

Hasan, der nur seinen Kopf und seine Unterarme leicht bewegen kann, war die Freude ins Gesicht geschrieben, als er in den Bavaria Filmstudios in München ankam und eine private Führung bekam. Selbst für die beiden Malteser war das ein besonderes Erlebnis. „Es war ein sehr emotionaler Tag“, erinnern sie sich. Besonders beeindruckt waren die beiden von Hasans Lebensmut und der Lebensfreude. „Es gibt einem so viel, wenn man sieht, wie stark der Kleine ist.“
Denn obwohl Bauer und Heinrich tagtäglich im Rettungsdienst im Einsatz sind – eine Herzenswunsch-Fahrt sei „etwas komplett anderes“: Man erfahre die Lebensgeschichte des Patienten und baue eine Verbindung zueinander auf. „Da schaut man dann auch nicht auf die Uhr“, sagt Bauer. Bei der Verabschiedung hatte Hasan Tränen in den Augen. „Ein emotionaler Moment“, gesteht Heinrich.
In der Diözese Regensburg haben die Malteser schon vier Herzenswünsche sterbender oder todkranker Menschen erfüllt. Mit Hildegard Müllers Wunsch werden es fünf sein.

Anfragen, so erzählt Alexandra Bengler, Malteser-Diözesanreferentin für Spenden und Nachlässe, habe es wesentlich mehr gegeben: elf an der Zahl. „Nicht jeder Wunsch konnte erfüllt werden. Das lag nicht daran, weil die Wünsche so außergewöhnlich waren, sondern weil es den Menschen oft sehr schnell sehr schlecht ging“, erklärt sie. Äußert ein Patient einen letzten Wunsch, muss zunächst mit den Ärzten abgesprochen werden, ob ein Transport vertretbar ist.
Geben die Mediziner – wie in Hasans oder Müllers Fall – ihr Einverständnis, wendet sich Rebecca Marchese, Projektkoordinatorin für den Raum Niederbayern-Oberpfalz , an die zuständigen Teams vor Ort, die den Sterbenden dann ihren letzten Herzenswunsch erfüllen.


Dabei sorgen sie nicht nur für den Transport der Patienten, sondern stellen auch das nötige Fachpersonal – Rettungs- oder Notfallsanitäter oder Rettungsassistenten, das die Fahrt ehrenamtlich begleitet. Da das Projekt ausschließlich über Spenden finanziert wird, sind die Fahrten für die Patienten und ihre Angehörigen kostenlos. Alexandra Bengler weiß, wie unterschiedlich Wünsche tod- oder schwerkranker Menschen sein können: ein letztes Mal ins Stadion, ein letztes Mal ans Meer, ein letztes Mal in den Tierpark. Scheinbar banale Wünsche, aber eben Herzenswünsche, die die Malteser da erfüllen.

Wer das ehrenamtliche Projekt Herzenswunsch-Krankenwagen finanziell unterstützen möchte, kann das mit einer Spende für die Weihnachtsaktion „Freude durch Helfen“ der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung tun.