„Ich will wer­den wie meine El­tern“

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Gemeindereferentin Rosemarie Fischer (Mitte) versucht auch seitens der Pfarreiengemeinschaft Attenhofen-Pötzmes-Walkertshofen den Schwestern Madlen (links) und Aileen Berger zu helfen. (Foto: Ellen Kellerer)

Aileen und Madlen Berger aus Pötzmes müssen mit einem Schicksalsschlag kämpfen

Von Ellen Kellerer

Mainburg. Sie lächeln – trotzdem: Aileen Berger und ihre Schwester Madlen, 19 und zwölf Jahre jung, müssen mit einem Schicksal fertig werden, das wohl wenige Gleichaltrige erfahren: Die Mutter kämpft gegen eine schwere Krebserkrankung, Vater Alfons wurde im August mit nur 51 Jahren aus dem Leben gerissen.

Es ist der 9. August 2017, der das Leben der Familie Berger aus Pötzmes bei Mainburg schlagartig verändert: Schon einmal hat Alfons Berger einen Herzinfarkt erlitten, doch diesmal gibt es für den Familienvater keine Hilfe mehr. Der plötzliche Tod des beliebten und stets hilfsbereiten Elektrikers schockiert den ganzen Ort. Schließlich sind die Bergers fest verwurzelt in ihrem Dorf, lange Jahre trainierte Mutter Kerstin zusammen mit Tochter Aileen die örtliche Kindergarde, und als die kleine Madlen vor drei Jahren auch noch Kinderfaschingsprinzessin wurde, rührte dies Vater Alfons zu Tränen.
Er hat sich nicht nur für seine Mädels aufgeopfert, sondern auch liebevoll um seine Frau Kerstin gekümmert, die seit Jahren einen Kampf gegen eine tückische Krebserkrankung führt – mit allen Höhen und Tiefen.

Gut getan haben der 49-Jährigen alternative Therapien, die nicht zuletzt der Ehemann für seine schwerkranke Ehefrau in die Wege geleitet und letztendlich auch bezahlt hat – denn viele dieser Therapien übernehmen die Kassen nicht. „Der Papa hat für die Mama alles getan, die haben sich wirklich geliebt", sagt Aileen, wenn sie über ihre Eltern spricht. Und: „Ich möchte so werden, wie sie."

Nach dem Tod des Vaters liegt es nun hauptsächlich an der 19-Jährigen, die Familie zu „managen": Sie muss Verantwortung für die jüngere Schwester übernehmen, sich um die schwerstkranke Mutter kümmern und nicht zuletzt die Rolle des Familienhaupts auch in finanzieller Hinsicht übernehmen. Noch aber ist Aileen Auszubildende, die Gesellenprüfung als Mechatronikerin steht bevor. „Ich weiß noch gar nicht, wie ich das alles schaffen soll", stellt sie eher sachlich fest, denn Jammern ist nicht ihr Ding.

Es muss die bestmögliche Versorgung für die Mutter gefunden werden, die seit dem Tod des Vaters gesundheitlich schwer abgebaut hat. Und dann ist da noch das Eigenheim der Bergers, das es abzuzahlen gilt – und da der Vater als Hauptverdiener der Familie nun nicht mehr da ist und auch die Therapien für die Mutter viel Geld verschlungen haben, kommen für die beiden Mädchen, die praktisch auf sich alleine gestellt sind, nun auch noch große Geldsorgen dazu.
„Es ist so viel, das ich plötzlich regeln muss, ich muss mich mit Versicherungen, die nicht zahlen, auseinandersetzen, mit Krankenkassen, nicht zuletzt mit den Ärzten der Mama, die mal so und mal so sagen – und arbeiten gehen muss ich ja auch noch", sagt Aileen, die aber für jede Unterstützung aus der Verwandtschaft und von Freunden oder der Dorfgemeinschaft, die sich bislang äußerst solidarisch gezeigt hat, dankbar ist. „Ich habe oft überlegt, ob ich das überhaupt annehmen kann, aber wie soll ich das alles sonst schaffen", sagt die 19-Jährige.

Die Hilfsbereitschaft in der kleinen Ortschaft ist groß, und nicht zuletzt geben die Pötzmeser so ein Stück von dem zurück, was ihnen Alfons Berger Zeit seines Lebens Gutes getan hat.

Aber ganz reicht es eben nicht, und der innigste Weihnachtswunsch von Aileen und Madlen – abgesehen davon, dass ihre Mutter nicht leiden muss – ist, dass sie das Elternhaus weiter halten und behalten können. Denn das ist derzeit das Einzige, was ihnen aus glücklicheren Zeiten geblieben ist.