„Ich kenne mich ohne Schmer­zen gar nicht“

Tanja K. sitzt im Roll­stuhl und braucht einen As­sis­tenz­hund – für den ihr das Geld fehlt

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Tanja K. spart schon seit einem Jahr auf einen Assistenzhund, doch die Ausbildung ist teuer. Bereits mit 500 Euro wäre ihr schon geholfen. Foto: Thomas Frey/dpa

Von Franziska Hofmann


Tanja K. (Name von der Redaktion geändert) ist ein Katzenmensch. Eigentlich liebt sie alle Tiere. Mit ihrem Partner und ihren beiden Katern lebt sie zurzeit in einer Wohnung in Landshut. Im ersten Stock ohne Aufzug. Doch das wird immer schwieriger, denn die 43-Jährige sitzt seit zwei Jahren im Rollstuhl. Ihre Fibromyalgie und eine angeborene Wirbelfehlbildung machen es ihr mittlerweile fast unmöglich, zu laufen. Wenn es wieder einmal so weit ist, und sie wegen ihrer Schmerzen ins Krankenhaus muss, bitten sie die Ärzte immer, ihre Schmerzen auf einer Skala von eins bis zehn einzuordnen. „Bei mir ist es durchgehend eine drei oder schlimmer “, erzählt Tanja K. „Ich kenne mich ohne Schmerzen gar nicht.“
Als Kind hat man sie noch als normale Wachstumsschmerzen abgetan, ihre Spina Bifida (Wirbelfehlbildung) wurde erst durch Zufall entdeckt, als sie bereits zwölf Jahre alt war. Mittlerweile hat sie gelernt, mit der Krankheit zu leben: „Man gewöhnt sich an die Schmerzen“, sagt sie. Ihre beiden vorherigen Partner konnten das nicht. Tanja K.s letzte Beziehung zerbrach daran. Ihr Ex-Mann konnte mit der Krankheit nicht umgehen, hielt sie immer klein und gab ihr zu verstehen, dass sie nichts wert sei. Ihre vier Kinder, die sie gemeinsam mit ihm hat, darf sie seit 2009 nicht mehr sehen. Ihr Ex-Mann hält sie von ihr fern.

„Wenn ich daran denke, tut es weh“

Das hat Tanja K. den Boden unter den Füßen weggezogen. Zusätzlich zu ihren Krankheiten kämpft sie seitdem auch noch mit einer posttraumatischen Belastungsstörung und Panikattacken, die immer dann auftreten, wenn sie von vielen Menschen umgeben ist. Einige Zeit verbrachte sie deshalb bereits in einer Klinik. „Jedes Mal wenn ich daran denke, tut es wieder weh“, erzählt Tanja K. Aber damals habe es keinen anderen Ausweg mehr gegeben, als ihren Mann zu verlassen: „Ich war damals so weit, dass ich dachte, entweder ich gehe oder ich bringe mich um.“ Von selbst melden sich ihre Kinder nicht. „Entweder sie wollen nicht oder sie trauen sich nicht“, vermutet die vierfache Mutter.

Trösten kann sie bis jetzt nur ihr Partner, bald schon soll das hoffentlich aber auch von anderer Seite geschehen. Ihr größter Wunsch? Trägt Fell, bellt und unterstützt sie im Alltag. „Schon seit einem Jahr spare ich auf einen Assistenzhund“, erzählt die gelernte Speditionskauffrau. Doch die Ausbildung für so einen Hund ist teuer. Tanja K. hat bereits Kontakt zu einem Hundetrainer aus Österreich aufgenommen. Sobald sie das Geld zusammenhat, soll die Ausbildung beginnen, dann wird sie auch für eine Woche nach Österreich fahren und den Trainer bei der Arbeit unterstützen. Doch die Ausbildung dauert anderthalb Jahre und kostet 8000 Euro, die Tanja K. nicht hat.

Assistenzhund als Hilfe im Alltag

Zusätzlich dazu sind K. und ihr Partner nämlich noch auf der Suche nach einer barrierefreien Wohnung in Landshut – bisher ohne Erfolg. Auf die Ausbildung ihres Assistenzhundes spart sie schon lange, geholfen wäre ihr aber schon mit 500 Euro, erzählt ihre Betreuerin vom Landshuter Netzwerk. „Der Hund wäre dann immer für mich da“, sagt Tanja K. „Er merkt dann wenn es mir nicht gut geht, und hilft mir, wenn sich eine Panikattacke anbahnt.“ Zusätzlich dazu werden Assistenzhunde auch darauf trainiert, Türen zu öffnen, Lichtschalter zu bedienen und ihren Besitzern diverse alltägliche Dinge wie Handschuhe zu bringen oder ihnen beispielsweise beim Ausziehen der Socken zu helfen.
„Am besten wäre ein großer dunkler Hund vor dem die Menschen Respekt haben“, erklärt die 43-Jährige. „So kann er nicht ständig von anderen Eindrücken und Menschen, die sich mit ihm beschäftigen, abgelenkt werden.“ Und mit den beiden Katern müsste er sich natürlich auch verstehen. Doch das Wichtigste ist K.: „Dass wir hoffentlich bald starten können.“