Fast ein Jahr ist ver­gan­gen nach dem Brand

Rück­kehr ins Haus für Fe­bru­ar ge­plant

Friesheim. (ck) Der 19. Januar diesen Jahres wird für Helga Neumeier, Tochter Daniela Neumeier und deren Lebensgefährte Stefan Schneider sowie den drei Kindern Jonas, Emilie und Stefan für immer im Gedächtnis bleiben:  ein Feuer nahm ihnen an diesem Tag ihr Zuhause. Man ist auf eine solch schlimme Situation einfach nicht vorbereitet. Eben war noch alles in Ordnung und plötzlich ist nichts mehr so, wie es sein soll.

Es war wohl Glück im Unglück: Keinem ist etwas passiert. Daniela Neumeier, die mit Lebensgefährten Stefan und den drei Kindern im Dachgeschoss wohnt, war gerade mit den Kindern Emilie und Stefan Junior bei Mutter Helga im Erdgeschoss, als sie Schmorgeruch und Rauch im Treppenhaus bemerken. Jonas war zu der Zeit im Kindergarten. Mutter Helga ging nach oben um zu schauen und rief Daniela und den Kids nur noch zur „Raus und ruf die Feuerwehr“. Wenige Minuten später loderte es bereits aus dem Dachstuhl. Schon sechs Minuten nach dem Notruf ist die Friesheimer Wehr zur Stelle. Kurz darauf folgen die nachalarmierten Wehren. Wie in Schockstarre sah die Familie zu, wie die Feuerwehrleute gegen das Feuer kämpfen, das immer wieder auflodert. „Es gehen einem Tausend Dinge durch den Kopf“, so Helga Neumeier. Rund 100 Einsatzkräfte waren im Einsatz und taten ihr Möglichstes. Doch trotz des unermüdlichen Einsatzes verlor die Familie Neumeier ihr Dach über dem Kopf. Das Schlimmste war jedoch der Gedanke „wo sollen wir hin“, erinnert sich Mutter Helga heute, zehn Monate später. Nicht nur Familie Neumeier erlebt die Szenerie wie in Trance, sondern auch die Nachbarn. Noch heute läuft den Erwachsenen ein Schauer über den Rücken wenn sie daran denken. „Aber zum Glück ist uns allen nichts passiert“, so Daniela Neumeier. Und Mama Helga meint, man müsse auch das Positive sehen. Einige Erinnerungsstücke und Fotoalben in ihrer Wohnung konnten noch gerettet und getrocknet werden. Besonders tröstlich war die ungeheure Hilfsbereitschaft nicht nur in der Nachbarschaft und in Friesheim. Fremde Menschen brachten Bekleidung für die Kinder und die Erwachsenen. Die Frage, was man macht, wenn das Gros der Einrichtung verbrannt, verrußt oder von der Hitze zerschmolzen ist oder durch Löschwasser unbrauchbar und nicht mal mehr die Zahnbürste benutzbar ist, bewegte damals viele und löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Vor allem auch wegen der Kleinen. Es folgten Sachspenden und die Gemeinde richtete sogar ein Spendenkonto ein, damit die notwendigsten Dinge besorgt werden konnten. Irmi und Ferdinand Bübl, ein befreundetes Friesheimer Ehepaar, stellten für drei Wochen ihre Souterrain-Wohnung zur Verfügung. Danach konnte man eine Hofstelle in Auburg beziehen, dies hatte man Gemeinderat Hermann Lehner zu verdanken. Hier wohnt die Familie noch heute, denn das Dachgeschoss  ist auch weiterhin nicht beziehbar und gleicht, zehn Monate nach dem Brand einem Rohbau. Zwar könnte Mutter Helga, deren Wohnung weniger durch das Feuer, sondern vor allem durch Ruß und Löschwasser unbewohnbar wurde, schon früher einziehen, denn Küche, Wohn- und Schlafzimmer sowie das Bad sind hier fast fertig. Schlimm sehe es noch im Dachgeschoss aus, Kabel hängen von der Decke, die Wände müssen noch verputzt und Böden verlegt werden. Schon kurz nach dem die Brandursache (technischer Defekt) festgestellt wurde, begannen die ersten Räumarbeiten und es folgten eine Einstufung des Brandschadens und eine umfangreiche Bestandsaufnahme unter Einbeziehung der Versicherung. Anfangs vermied man es Emilie und Jonas mit in das Haus zu nehmen. Auch wenn die beiden die Tragödie nicht ganz umrissen, so waren sie erst einmal untröstlich, weil alle Spielsachen im Feuer vernichtet oder unbrauchbar wurden. Es war für die beiden einfach schwer begreiflich, dass das Feuer ihre Kinderzimmer und das Haus „kaputt“ gemacht hatten und nichts mehr da war, auch wenn sie es scheinbar gut verkraftet haben. „Der Brand- und Wasserschaden ist eine schreckliche Tragödie. Nachdem der Brand gelöscht ist, steht man vor einem Chaos. Und kaum hat man den Schreck überwunden, steht man schon vor den Aufräumarbeiten“, erinnert sich Helga Neumeier. Nachdem die ersten Sofortmaßnahmen durchgeführt wurden, waren eine Einstufung des Brandschadens und eine umfangreiche Bestandsaufnahme, auch unter Einbeziehung der Versicherung, notwendig gewesen. „Man braucht dann viel Geduld“, so Helga Neumeier. Erst einmal hieß es nämlich warten, bis zur Freigabe, dann warten bis die Versicherung ihr „OK“ gibt. Und wer dann meint, er wäre ja versichert und kann sofort loslegen, wird eines Besseren belehrt, nämlich dann wenn man einen Handwerker suchen und Kostenvoranschläge für die Sanierungs- und Reparaturkosten einholen muss. Alle Handwerker ausgebucht und wenn einer sofort Zeit gehabt hätte, war er zu teuer. Hat man dann einen Handwerker zu passenden Konditionen gefunden, wartet man dann dass er loslegen kann. Hat er dann losgelegt, kommen unvorhergesehene Wartezeiten bei den Material- und Ersatzbeschaffungen hinzu. Der Handwerker nimmt dann derweil einen anderen Auftrag an. Man dürfe nun niemandem Unrecht tun oder etwas verunglimpfen, lenkt Helga Neumeier ein und ergänzt, dass selbstverständlich auch die Versicherungen, so hilfsbereit und verständnisvoll die Mitarbeiter auch seien,  ihre Vorgaben hätten und für entsprechende Gewerke oder Ersatzbeschaffung einfach einen bestimmten Wert ansetzen. „Mehr wird einfach nicht bezahlt“, so die Witwe und Mesnerin des Ortes Friesheim. Obwohl fast alle Einrichtungsgegenstände nicht mehr brauchbar sind und entsorgt werden mussten, gibt es für vieles nur den Zeitwert, so Daniela Neumeier betrübt. Die Differenz geht dann zu unseren Lasten. In unserer Wohnung war so gut wie nichts mehr verwendbar. Dort zieht derweil Stefan Schneider selbst einen neuen Putz auf. „Damit was vorwärts geht“, so Danielas Lebensgefährte, der natürlich so schnell wie möglich mit seiner Familie wieder einziehen möchte. Um die Kinder bei Laune zu halten basteln Daniela und die zwei großen fast täglich, ob zu Erntedank oder Halloween oder wie jetzt Engelchen. „Schutzengel, damit nichts mehr passiert!“. Stefan Junior schaut derweil neugierig zu. „Bald kommt das Christkind“, weiß klein Emilie, aber sie weiß noch nicht was sie sich vom Christkind wünscht. Jonas hingegen weiß es schon ganz genau. „Eine Hot Wheels Bahn“. Für Stefan Junior wird es das erste Weihnachten, das er bewusst mitbekommt, aber leider noch nicht im richtigen und eigenen Zuhause. Aber dann dafür im nächsten Jahr