Der wirk­lich letz­te Wunsch

Eine tod­kran­ke 34-Jäh­ri­ge hat mit dem Ho­spiz­mo­bil Pfer­de­trai­ner Bernd Hackl be­sucht

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Notärztin Julia Regler mit Bernd Hackl und Pferd Fips auf Hackls 7P-Ranch.

Von Sophie Schattenkirchner


Julia Regler ist Notärztin. Sie beschreibt sich als eine taffe, abgeklärte Person. „Ich hab’ schon sehr viel gesehen.“ Doch den Tag, an dem sie eine schwerkranke 34-Jährige mit dem Hospizmobil zu einem letzten Ausflug begleitete, den kann sie nicht vergessen. Wir haben mit ihr über die emotionalen Stunden in Michelsneukirchen gesprochen.

Eigentlich, sagt Julia Regler, brauchen die Mitarbeiter des Herzenswunsch-Hospizmobils des BRK Kreisverbands Straubing-Bogen rund vier Wochen Vorlaufzeit, um einen Wunsch zu organisieren. Es muss viel koordiniert, die medizinische Situation abgeklärt und Papierkram erledigt werden. Doch in diesem Fall war alles anders: An einem Montag im November erreichte ein Wunsch das BRK. Schon am Freitag sollte er erfüllt werden. Denn die Zeit drängte.
Die Patientin, erst 34 Jahre alt, hat Krebs im Endstadium. Ihre Familie ist beim Ausflug dabei. In den Stunden zuvor geht es der jungen Frau immer schlechter – aber die Helfer versuchen alles, ihr ihren letzten Wunsch zu erfüllen. Schließlich fällt die Entscheidung: der Ausflug findet statt. Sie möchte zu Pferdeflüsterer Bernd Hackl nach Michelsneukirchen. Die Frau ist selber gerne geritten, liebt Pferde.


„Schee, dass du da bist. Magst an Kaffee?“
Wenn Notärzte Patienten versorgen, sagen sie oft Sätze wie: „So, jetzt schieben wir Sie in den Krankenwagen.“ Als Hackl die junge Frau zum ersten Mal sah, sagte er: „Griaß di! Schee, dass du da bist. Magst an Kaffee?“ Als wäre der Ausflug das normalste überhaupt, als wäre die Frau gar nicht krank. Julia Regler ist tief beeindruckt. „Das ist mir unter die Haut gegangen. Und das nehm’ ich mir für meine Arbeit mit.“
Die junge Frau streichelt die Pferde, unterhält sich mit Hackl über seine Arbeit, stellt viele Fragen. „Sie hat all ihre Energie in diese Stunden gesteckt“, sagt die Notärztin. Die BRK-Mitarbeiter halten sich bei so einem Ausflug maximal zurück. Geben aber allen Beteiligten Sicherheit. Das machen sie ehrenamtlich. Julia Regler sagt von sich, dass sie Ärztin aus Überzeugung ist. Sie will uneingeschränkt helfen. Aus dem Herzenswunsch-Projekt zieht sie Kraft.
Nach knapp drei Stunden ist der Ausflug vorbei. Die BRK-Mitarbeiter atmen durch. Nur wenige Tage später erfahren sie, dass die junge Frau gestorben ist.

Info
„Freude durch Helfen“ unterstützt das BRK bei der Anschaffung eines neuen Fahrzeugs, mit dem sie die Patienten transportieren können. Diese sollen während der Fahrt nach draußen sehen können. Mit einer Spende an unsere Aktion unterstützen Sie das Herzenswunsch-Hospizmobil.

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Bernd Hackl erklärt der schwerkranken Patienten und ihren Angehörigen, wie er mit den Pferden arbeitet. „Wir waren beeindruckt von seiner Art. Er ging mit der Frau um, als sei sie gar nicht krank“, sagt Notärztin Julia Regler. Fotos: BRK