Dank­bar für ein Stück Le­bens­qua­li­tät

För­der­ver­ein Pal­lia­tiv­me­di­zin am Uni­kli­ni­kum ver­bes­sert die Ver­sor­gung Schwerst­kran­ker und Ster­ben­der

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Die Pforte zur Schmerzlinderung: Dr. Michael Rechenmacher am Eingang der Palliativstation am Uniklinikum Regensburg.

Regensburg. (gib) Wenn früher ein schwerkranker Mensch austherapiert war, passierte medizinisch nicht mehr viel. Es war ein – manchmal qualvolles – Warten auf den Tod. Die Palliativmedizin hat in den vergangenen Jahrzehnten viel verändert. Sie versucht, körperliche und seelische Schmerzen zu lindern. Doch noch tragen die Krankenkassen nicht alle Kosten. Dafür springt am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) ein Verein ein.

Engagierte Ärzte, Pflegekräfte, Psychologen, aber auch interessierte Laien haben sich 2016 zusammengetan, um den „Förderverein Palliativmedizin am UKR“ zu gründen. Hintergrund war zum einen die anstehende Eröffnung einer Palliativstation am Uniklinikum. Zuvor hatte es dort lediglich ambulante Palliativangebote gegeben. Zum anderen gab es eine Finanzierungslücke. „Ein Teil der Kosten wird von den Krankenkassen übernommen“, sagt Oberarzt Dr. Michael Rechenmacher, Leiter der Palliativmedizin am UKR und Vereinsvorsitzender. „Das reicht aber für eine vernünftige Palliativmedizin nicht aus.“

Der Verein hat sich deshalb aufgemacht, Spenden zu sammeln. Genutzt werden die Spenden unter anderem für eine wohnliche Ausstattung der Palliativstation und für besondere Therapieverfahren mit einer Klangschale oder Aromaölen. Die jüngste Anschaffung ist ein Mobilisationssessel, in dem geschwächte Menschen, die sonst nur liegen, aufrecht sitzen können und zum Beispiel an die frische Luft geschoben werden können. „Die Leute fiebern auf den Gang nach draußen hin“, erzählt Rechenmacher. „Das ist ein solches Highlight für sie, das kann man sich als Gesunder gar nicht vorstellen.“

Die Palliativmedizin setzt dann ein, wenn ein Patient am Ende seines Erkrankungsweges angekommen ist, wenn seine Krankheit nicht heilbar ist oder er im Sterben liegt. Mit einer ganzen Palette von Schmerzmitteln können die Palliativmediziner dafür sorgen, dass die Patienten diese Zeit schmerzarm oder schmerzfrei erleben. Auch Angst und Atemnot sind oft gut behandelbar. Die Medizin habe hier große Fortschritte gemacht, betont Dr. Rechenmacher. Die Schmerzmittel würden die Patienten nicht mehr wie früher benebeln, sondern nur den Schmerz wegnehmen. Dadurch könnten die Betroffenen wieder etwas aktiver am Leben teilhaben.

Dr. Rechenmacher erzählt von einem Krebspatienten, dem Metastasen an der Wirbelsäule starke Schmerzen bereiteten und der deshalb nur liegen konnte. Durch eine gezielte Schmerztherapie konnte er sich wiederaufrichten und sich auf die Bettkante setzen. Ein kleiner Schritt für Außenstehende, eine große Verbesserung der Lebensqualität für den Betroffenen. Andere schaffen es dank der Schmerztherapie sogar wieder, mit Freunden einen Kaffee trinken zu gehen.

Dennoch ist bei der Arbeit von Dr. Rechenmacher klar: „Der Tod schwebt über allem.“ Für den Patienten, aber auch für seine Angehörigen sei es oft schwer, über dieses Thema zu sprechen. In dem Maße, in dem der Patient es möchte, biete die Palliativstation hier Gesprächsmöglichkeiten mit einem Psychologen oder einem Seelsorger an. Auf Wunsch gebe es auch Unterstützung dabei, wie Patient und Angehörige miteinander ins Gespräch kommen. Oft gebe es den Reflex, dass der Betroffene und seine Familie sich gegenseitig schützen wollen und dann lieber gar nicht über den nahenden Tod reden. „Für viele ist es aber sehr entlastend, wenn es mal ausgesprochen wird“, sagt Rechenmacher.

Er betont, dass die Palliativmediziner nicht für alles eine Lösung bereithalten. Ihre Aufgabe sei es vor allem, den Weg des Betroffenen mitzugehen, Ansprechpartner zu sein und mit den Patienten manches auch einfach auszuhalten. „Wenn ein Mensch stirbt, ist das traurig, aber wir sind da.“

Die Palliativmedizin hat ihren Ursprung in Australien und Großbritannien in den 60er-Jahren. In Deutschland setzte sie sich in den 90er-Jahren langsam durch. Erst seit 2014 gehört sie zur Pflichtausbildung von Medizinstudenten. Für onkologische Palliativpatienten sei das Angebot mittlerweile recht gut, sagt Rechenmacher. Für Menschen, die nicht an Krebs, sondern an anderen unheilbaren Krankheiten leiden, gebe er jedoch noch Nachholbedarf.

Welche Auswirkungen die tägliche Beschäftigung mit dem Tod auf ihn selbst hat? „Es macht auf jeden Fall etwas mit einem“, sagt Dr. Rechenmacher. „Man lebt vielleicht etwas bewusster.“ Dass es auf einer Palliativstation immer traurig zugehe, sei aber falsch. „Hier gibt es viel Humor, die Stimmung ist bestimmt nicht schlechter als auf anderen Stationen, vielleicht sogar besser.“ Weitere Informationen unter palliativ-ukr.de.