Dank Start­hil­fe durch den Bun­ten Kreis

Klei­ner Kämp­fer meis­tert sein Schick­sal

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Fotos: Bunter Kreis

Eine wunderbare Geschichte, auch wenn es am Anfang nicht danach aussah: Philipp ist am 20. April 2015 mit 850 Gramm auf die Welt gekommen. Nicht nur viel zu leicht (das Normalgewicht startet bei 2.500 Gramm), sondern auch viel zu früh: Er wurde schon in der 26. Schwangerschaftswoche geboren. Was danach kam, war alles andere als leicht: Nach insgesamt 205 Tagen im Krankenhaus ging es mit 24-Stunden-Beatmung über eine Trachealkanüle endlich nach Hause. Philipp konnte nicht ausreichend selbstständig atmen, die Atmung wurde maschinell unterstützt durch einen Schlauch in der Luftröhre. Auch musste Philipp deshalb 24 Stunden am Tag über Heimmonitor überwacht werden.

Auf sieben Monaten in der Klinik folgt das erste halbe Jahr zu Hause mit Pflegedienst. Auch 2015 waren die Pflegedienste bereits ausgelastet, so dass die Familie die erste Zeit fast ausschließlich die Pflege selbst übernommen hat. Viele Termine für Therapien waren notwendig: Logopädie, Physiotherapie und Frühförderung Sehen.

Das war eine harte Zeit für die Familie; jedoch Philipp hat von Anfang an seinen Dickkopf mit unendlich viel Charme durchgesetzt. Er hat sich inzwischen großartig entwickelt. Seit Juli 2018 ist das Tracheostoma verschlossen, jetzt benötigt er keinerlei Hilfsmittel mehr. Er geht in den Kindergarten und holt Tag für Tag seine Entwicklung auf. Besser, als es jemals erwartet wurde.

Um diese Entwicklung möglich zu machen, hat sich das Team des Bunten Kreises in Deggendorf für den kleinen Mann engagiert. Gemeinsam mit den Eltern haben sie Vorbereitungen für Philipps Nach-Hause-Kommen erledigt. Damit hat der Bunte Kreis eine Brücke zwischen Klinik und zu Hause gebaut. Das multiprofessionelle, interdisziplinäre Team kümmerte sich um die medizinische Versorgung zu Hause, unterstützte bei der Ernährungssituation, führte Gewichtskontrollen durch – war Ansprechpartner für die Familie. „Wir hatten die Sicherheit, dass noch jemand da ist, der auf uns aufpasst. Für die Hilfe und Unterstützung sind wir unendlich dankbar“, sagen Philipps Eltern heute.

Das Schicksal von Philipp steht beispielhaft für viele Kinder, die zu früh auf die Welt kommen. Der Bunte Kreis gibt ihnen Starthilfe. Dabei hat die Deggendorfer Einrichtung ein großes Einzugsgebiet. Die Familien kommen aus den Landkreises Straubing-Bogen, Deggendorf, Dingolfing-Landau und Regen. „Leider können wir nicht alle betreuen, denen sozialmedizinische Nachsorge zusteht. Es fehlt einfach am Personal“, stellt Linda Nowak dar. Ein großer Punkt ist die Finanzierung: „Die Krankenkassen bezahlen die Nachsorge zwar, aber es bleibt ein Fehlbetrag. Den versuchen wir mit Spenden zu decken“, erklärt Linda Nowak und fügt an: „Deswegen sind wir für die Hilfe durch die Aktion des Straubinger Tagblatts so dankbar.“ Auch können durch die Spendengelder Projekte, wie z.B. das Eltern-Café, finanziert werden oder finanziell schwächer gestellte Familien unterstützt werden.

Stichwort: Bunter Kreis
Die Nachsorge nach Modell Bunter Kreis wurde bereits vor über 25 Jahren in Augsburg gegründet und steht seither hochbelasteten Familien auf dem Weg von der Klinik ins heimische Kinderzimmer zur Seite. Mittlerweile gibt es über 90 Bunte Kreise deutschlandweit. Der Deggendorfer Bunte Kreis ist seit elf Jahren akkreditiertes Mitglied im Bundesverband Bunter Kreis.

Der Bunte Kreis unterstützt und begleitet Familien, deren Kinder viel zu früh auf die Welt gekommen oder die chronisch krank sind. Der Schwerpunkt in Deggendorf liegt bei der Betreuung von extremen Frühgeburten, die oft Wochen und Monate auf der Kinderintensivstation zugebracht haben. Gerade dann ist der Übergang in ein „normales“ Leben mit vielen Ängsten verbunden. Die Nachsorgeschwestern unterstützen die Familie im häuslichen Umfeld und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung.