„Ar­mut ist sehr oft weib­lich“

Clau­dia Karl-Fi­scher und ihr Team be­treu­en die Ak­ti­on „Freu­de durch Hel­fen"

Seit 20 Jahren gibt es die Benefizaktion „Freude durch Helfen" – von Anfang an betreut von Claudia Karl-Fischer und ihrem Team. Im Gespräch erzählt sie von der kleinsten Spende an die Aktion – und warum genau diese Geste zählt.

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Seit 20 Jahren betreut Claudia Karl-Fischer von der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung mit ihrem Team die Aktion „Freude durch Helfen“. (Foto: Sophie Schattenkirchner)

Straubinger Tagblatt: Wie viel Geld ist bei „Freude durch Helfen" an Weihnachten 2017 zusammengekommen?
Claudia Karl-Fischer: Mehr als 360 000 Euro. Die meisten Spenden erreichen uns übrigens in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, aber auch noch im Januar.

Wie vielen Menschen in der Region konnte damit geholfen werden?
Circa 500 Menschen. Von einem Rentner in Furth im Wald an der tschechischen Grenze, über Fälle vor den Toren Münchens im Kreis Landshut oder in Deggendorf, bis hin zu vielen Bedürftigen in Straubing, aber auch in Regensburg.

Sie lesen jeden dieser Fälle durch. Welcher Fall ist Ihnen diesmal besonders in Erinnerung geblieben?
Da fällt mir sofort eine junge Frau ein. Gut gebildet, eine Fremdsprachenkorrespondentin, sie hatte zwei Staatsexamen für das Lehramt Spanisch und Französisch absolviert – bis sie plötzlich chronisch krank wurde. Sie lebt heute von Hartz IV. Da ist mir bewusst geworden: Krankheit kann alles zerstören. Bei dieser Frau fiel mir das besonders auf, denn sie hatte die besten Voraussetzungen für ihr Leben. Und dieser Fall hat wieder gezeigt, dass Armut sehr oft weiblich ist.
Wenn das Geld für Brille und Hörgerät nicht reicht.

Wie meinen Sie das?
Viele Frauen sind von Altersarmut betroffen und ebenso helfen wir vielen Frauen, die alleinerziehend sind. Mir fällt auf, dass die Fälle mit Altersarmut bei Frauen in den vergangenen fünf Jahren zugenommen haben. Ich glaube, das liegt am Absinken des Rentenniveaus. An uns wenden sich dann Paten, die berichten, dass bei einer älteren Frau das Geld nicht für eine Brille, ein Hörgerät, eine Stromnachzahlung oder Heizöl reicht.

Um 360 000 Euro zu erreichen, dafür haben sehr viele Menschen gespendet.
Insgesamt hatten wir bei der Weihnachtsaktion 2017 rund 3 000 Spender. 70 Prozent davon Privatpersonen, zehn Prozent Vereine, 20 Prozent Firmen. Die Höhe der Spenden ist dabei völlig unterschiedlich. Die kleinste Spende kam diesmal von Mädels, die beim Weihnachtsreiten beim Schober Pferdeleckerlis gebacken, verpackt und verkauft haben. 30 Euro haben sie so zusammenbekommen. Oder die vierte Klasse der Grundschule Pfatter – die Kinder haben mit ihrer Lehrerin gebastelt und so 67 Euro gesammelt. Ich versuche immer zu erklären, wie viel uns diese Spenden bedeuten. Man spürt, wie viel Mühe, Aufwand und Mitgefühl die Kinder in die Sache gesteckt haben. Wir freuen uns darüber sehr, die Geste zählt.

Und die größte Einzelspende?
Die kommt wie jedes Jahr vom Straubinger Adventskalender – in diesem Jahr sind es 58 000 Euro, die wir eins zu eins an die Bedürftigen weitergeben.

Interview: Sophie Schattenkirchner